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Gemeinsam sind wir schlagbar

■ Der Versuch einer konzertierten Aktion für Salman Rushdie scheitert am Verleger-Veto

Berlin (taz) - Vergangenen Freitag schickte die taz folgenden Text an 'FAZ‘, 'Frankfurter Rundschau‘, 'Süddeutsche Zeitung‘ und 'Zeit‘: „Kiepenheuer & Witsch möchte Rushdies Satanic Verses nicht herausbringen. Es geht nicht, daß ein paar Verrückte bestimmen, was man in der Bundesrepublik lesen kann.

Unser Vorschlag: eine Reihe von Zeitungen veröffentlichen demonstrativ -, gleichzeitig auf einer ganzen Seite in gleicher Aufmachung und in gleichem Wortlaut die von den islamischen Fanatikern inkriminierten Stellen.“ Eine halbe Stunde später rief Frank Schirrmacher von der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ an und erklärte sich sehr einverstanden mit der Initiative. Zwei Stunden später signalisierte auch die Zeit ihr prinzipielles Einverständnis. Der frühestmögliche Erscheinungstag für die gemeinsame Erklärung wäre der morgige Donnerstag gewesen. Montag nachmittag war auch der 'stern‘ bereit, bei der Aktion mitzumachen.

Dann ein Telefonanruf von Reinhard Neven DuMont, Chef des Verlages Kiepenheuer & Witsch: Ja sicher, die Aktion sei ein Engagement für Salman Rushdie, und er unterstütze sie, aber man müsse unbedingt ein Konto einrichten und darauf, wenn auch nur einen symbolischen, aber eben doch einen Geldbetrag einzahlen, außerdem müsse er natürlich Rushdies Agenten in London fragen.

Drei Stunden später wieder Kiepenheuer & Witsch, diesmal die Lektorin: Es tue ihr leid, der Agent hätte sich gegen eine Veröffentlichung einzelner Passagen ausgesprochen.

Ulrich Greiner von der 'Zeit‘ will noch einmal „mit Neven“ sprechen. Gegen sieben Uhr Montag abend steht es fest: die taz ist allein. Die großen deutschen Zeitungen wollen gegen Neven DuMonts Einspruch nicht veröffentlichen. So wissen wir wenigstens wieder einmal, wozu wir gut sind. In der Bundesrepublik Deutschland muß man die taz lesen, um zu wissen, warum Khomeini ein Kopfgeld auf Salman Rushdie ausgesetzt hat.

A.W.

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