■ Nein danke!: Onkel Peter
Onkel Peter war wieder in der wilden weiten Welt, in der die Völker aufeinanderschlagen. Es ist nicht sein erstes Buch, aber anders als zuvor hat Onkel Peter darin nicht ein Land, eine Region oder einen Kontinent verhackstückt. – Nein, diesmal trieb es ihn um den gesamten Globus. Onkel Peter hat mittlerweile fast siebzig Lenze auf dem Buckel. Doch auch das fortgeschrittene Alter hindert ihn nicht daran, seine morschen Knochen in speckige Hotelbetten in der Mongolei oder abgewrackte Kaschemmen in Arabien zu hieven. Schließlich findet Onkel Peter dort jene „blutigen Wirren“ und „hintergründigen Urkräfte“, die bestätigen, was ihn das harte Leben gelehrt hat: daß es ein ewiges, aber gerechtes Massaker ist. In der Ferne entdeckt er noch Helden, die, wie die Drusen im Libanon, „für den ehrlichen, für den offenen Kampf Mann gegen Mann“ stehen, oder Vertreter der somalischen „Kriegerrasse“, die „die Hoden ihrer erschlagenen Gegner als Trophäen sammeln“. Doch – oh weh! – Onkel Peters Welt, wie er sie seit über vier Jahrzehnten beschreibt, ist „in Auflösung“. Sie „desintegriert sich“ vor den Augen des „ergrauten Chronisten“, der auf 471 Seiten vergeblich versucht, sie festzuhalten. Ob auch wir sie vermissen werden? Thomas Dreger
Peter Scholl-Latour: „Eine Welt in Auflösung. Vor den Trümmern der Neuen Friedensordnung“. Siedler Verlag, 471 Seiten, 44 DM
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