: Bhutto-Appell an Taliban
■ Afghanische Miliz soll Frauenrechte einhalten. GUS will sich nicht einmischen
London/Kabul/Alma Ata (AFP/dpa) – Die pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto hat die afghanischen Taliban aufgefordert, die Rechte der Frauen zu achten. „Natürlich würde ich es begrüßen, wenn auch in meinen Nachbarländern Frauen die Rechte gegeben werden, die ihnen meiner Ansicht nach zustehen“, sagte Bhutto in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Dazu gehöre auch das Recht für Mädchen, zur Schule zu gehen. Die radikalislamischen Taliban hatten vergangene Woche die afghanische Hauptstadt Kabul besetzt und es Frauen und Mädchen mit wenigen Ausnahmen verboten, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. Gestern wurden Bewohner Kabuls auch gewaltsam zur Teilnahme am Freitagsgebet gezwungen.
Ungeachtet der Sorge über den Vormarsch der Taliban will sich die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen. Dies betonte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew vor Beginn des Krisengipfels der mittelasiatischen GUS-Republiken und Rußlands gestern in der kasachischen Hauptstadt Alma- Ata. „Für uns ist es wichtig, daß es an unseren Grenzen ruhig bleibt und sich kein negativer Einfluß über die Grenzen Afghanistans hinaus ausbreite“, zitierte Interfax den Präsidenten. Nasarbajew sagte, Kasachstan wolle eine Friedensinitiative starten.
Zu dem Treffen, das am Abend geplant war, wurden die Präsidenten Tadschikstans, Usbekistans, Kirgisiens, Kasachstans sowie der russische Regierungschef Wiktor Tschernomyrdin erwartet. Turkmenien, das wie Tadschikistan und Usbekistan eine gemeinsame Grenze mit Afghanistan hat, wollte unter Verweis auf seine Neutralität nicht an dem Gipfel teilnehmen.
Moskau hatte sich besorgt über die Lage in Afghanistan gezeigt und eine baldige Anerkennung der neuen Taliban-Führung in Kabul ausgeschlossen. Die Taliban forderten gestern die UNO auf, sie als legitime Vertreter Afghanistans anzuerkennen.
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