: Anpfiff am Gleisdreieck im Jahr 2001
■ Kreuzbergs bündnisgrüner Bürgermeister Franz Schulz träumt vom „Central Park“ und hält eine Straße quer über den zukünftigen Park am Gleisdreieck für absoluten Unsinn
taz: Herr Schulz, am Gleisdreieck türmen sich derzeit die Sandberge und die Betonmischmaschinen. Wann kann man das erste Fußballturnier im zukünftigen Park am Gleisdreieck anpfeifen?
Franz Schulz: 2001, hoffe ich. Ich habe mit debis gesprochen, und die wollen das Logistikcenter schon vor 2002 abbauen. Mit der Finanzplanung wird das natürlich knapp, vielleicht gibt es eine Sonderfinanzierung mit privaten Dritten. Bei dem Datum will ich optimistisch sein.
Über den geplanten Liegewiesen und Sportplätzen, die dort entstehen sollen, werden die U-Bahnen fahren. Zusätzlich fährt der ICE mitten durch das Gelände. Wie soll man denn da Ruhe finden, sich hinlegen können und ausspannen?
Da haben Sie ja noch die Leidenschaft des Leiters des Technikmuseums vergessen: Der möchte gerne eine Bimmelbahn durch das Gelände fahren lassen. Wir sind uns darüber ziemlich in die Haare geraten. Ich denke, es wird schwierig genug sein, eine zusammenhängende Freifläche für Erholung zu bekommen und nicht einen lärmenden Stadtpark, wie das manchen Landespolitikern vorschwebt: so à la Central Park oder Volkspark.
Was halten Sie denn davon, die Pohlstraße durch den Park zu verlängern?
Das ist ein absoluter Unsinn. Die Planer, mit denen ich bisher geredet habe, konnten mir auch nicht erklären, warum die Straße nötig ist.
Eine Erschließung der Luckenwalder Straße aus Richtung Westen ist überhaupt nicht notwendig. Das bringt nur Lärm in eine Ecke, für die es sowieso schwierig sein wird, eine vernünftige Parklösung zu finden.
Am Landwehrkanal soll ein debis-Parkhaus für sage und schreibe 1.500 Autos entstehen. Fällt das unter sogenannte nachhaltige Stadtentwicklung?
Das hat weder mit Stadtentwicklung noch mit Nachhaltigkeit zu tun. Man muß das mal ganz deutlich sagen: Mit dem Parkhaus ist Kreuzberg das Opfer von Wolfgang Nagels (Anm. d. Red.: ehemaliger Bausenator der SPD) Profilierungsneurose geworden.
Wolfgang Nagel wollte sich damit ein Denkmal setzen, daß debis auf dem Potsdamer Platz nur 20 Prozent der vorgeschriebenen Parkplätze baut. Debis selber wollte die 1.500 Parkplätze unterirdisch unterbringen.
Aber Ex-Bausentor Nagel hat darauf bestanden, daß das Parkhaus in fußläufiger Entfernung auf dem Gleisdreieck errichtet wird. Und da geht heute auch kein Weg mehr dran vorbei.
Auch der jetzige Stadtentwicklungssenator Strieder, der heute die Kompetenz hätte, das politisch noch mal zu beeinflussen, gehörte schon als Kreuzberger Bürgermeister zu den Leuten, die das Parkhaus wollten. Interview: Markus Franken
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