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Tippfehler auf der Mir

■ Erster Hinweis auf Unfallursache der Raumstation. Täglich neue Ausfälle

Moskau (AP/AFP) – Ein Bedienungsfehler und die Überladung der Versorgungskapsel waren laut der Zeitung Sewodnja die Hauptursachen für den Auffahrunfall im All am letzen Mittwoch. Damals parkten die Kosmonauten der russischen Raumstation Mir die Versorgunskapsel Progress an einer anderen Andockstation. Die Progress schlug bei dem Manöver ein Leck in ein Labormodul der Raumstation und setzte ein Drittel der Sonnensegel außer Kraft.

Der Kommandant der Mir, Wassili Ziblijew, habe einen „unverzeihlichen Fehler“ begangen und vergessen, die zusätzliche Ladung der Progress-Kapsel in den Rechner der Mir einzutippen, hieß es in Sewodnja unter Berufung auf Gewährsmänner in der russischen Raumfahrtbehörde. Die Kapsel sei fast eine Tonne schwerer gewesen als normalerweise, weshalb sie auch nicht wie geplant zum Stillstand gekommen sei.

Eine offizielle Sprecherin des Raumfahrtzentrums außerhalb von Moskau sagte, es sei keineswegs bewiesen, daß das Unglück ein Fehler des Kommandanten gewesen sei. Der Zwischenfall werde immer noch untersucht.

An Bord der Mir fielen unterdessen wieder die Kreiselkompasse aus, die die Raumstation und ihre Sonnensegel ständig an der Sonne ausrichten, so das Raumfahrtzentrum gestern. Die Kosmonauten hätten jedoch sofort die betreffenden Steueraggregate abgeschaltet und Hilfsdüsen in Betrieb gesetzt, die sich am Modul Kwant-2 befinden. Es sei genügend Treibstoff für mehrere Wochen vorhanden, um die Lagekorrektur vorzunehmen.

Die Transportfähre Progress M-35 soll am Sonntag mit Ersatzteilen und Versorgungsgütern zur Mir abheben und dort am Montag andocken. Ob die Kosmonauten alle notwendigen Reparaturen ausführen können, ist umstritten. Ihnen fehlt angeblich die Ausbildung dazu. Erst am Dienstag war ein Sauerstoffgenerator an Bord der Mir wegen Überhitzung ausgefallen.

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