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Zwischenfall über dem Nordirak

■ US-Kampfjet feuert auf eine Abwehrstellung in der nördlichen Flugverbotszone. Bagdad will die internationalen Minenräumexperten in Kurdistan ausweisen. Dort liegen über 10 Millionen Minen

Washington/Bagdad/Berlin (dpa/AP) – Im Norden des Irak hat am Donnerstag erneut ein Kampfflugzeug der USA auf eine irakische Flugabwehr-Batterie geschossen. Das F-16-Kampfflugzeug sei von dem Radar der Batterie erfaßt und verfolgt worden, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Der Pilot des Flugzeuges habe daraufhin eine HARM-Rakete auf die Batterie abgefeuert und sei sicher zu seinem Stützpunkt in der Türkei zurückgekehrt. Der Sprecher verwies darauf, daß das irakische Militär in jüngster Zeit wiederholt Radar auf US-Flugzeuge einstellen ließ „und unsere Piloten entsprechend darauf geantwortet haben“.

Da bereits die Radarerfassung bei den US-Streitkräften als feindliche Handlung vor der Eröffnung des Feuers auf ein Flugzeug gilt, schoß das amerikanische Kampfflugzeug nach Angaben des US- Verteidigungsministeriums die Rakete auf die Radarstation ab. Das Pentagon untersucht noch, ob die Luftabwehr-Batterie beschädigt worden ist. Das US-Flugzeug habe die Flugverbotszone im Norden des Irak kontrolliert. Dort leben hauptsächlich Kurden.

Im Konflikt mit der UNO hat der Irak jetzt eine neue Front eröffnet. Die Regierung in Bagdad fordert den Abzug der internationalen Experten, die im irakischen Teil Kurdistans Minen räumen. In einem Schreiben des irakischen Außenministers Mohammed Said Al-Sahaf an den UN-Sicherheitsrat heißt es, die Experten hätten keine Erlaubnis der irakischen Regierung für ihre Tätigkeit. Sie seien „Spione und Saboteure“, die die Souveränität des Irak verletzten. In Kurdistan gibt es nach einer Schätzung der UNO über zehn Million Anti-Personen-Minen, die dort seit dem iranisch-irakischen Krieg und der Repression Saddam Husseins gegen die Kurden liegen.

Einen Wandel in der westlichen Irak-Politik forderte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in einem Beitrag für den Berliner Tagesspiegel. „Den Leiden der irakischen Zivilbevölkerung muß mit einem breiten Katalog humanitärer Maßnahmen abgeholfen werden“, schreibt er. Es gehe „um eine Perspektive für den Irak in der Frage der Sanktionen“. Jedoch dürfe es keine Kompromisse beim „legitimen Anspruch der internationalen Staatengemeinschaft auf eine vollständige und zuverlässige Kontrolle des irakischen Massenvernichtungspotentials“ geben. Siehe auch Seite 11

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