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Sonntags-Spaziergang
Sonntags morgens um sechs – das müssen Sie mal probieren – geh’n Sie mal so früh raus, geh’n Sie mal sonntags spazieren.
Aber nicht erst um sieben,auch nicht um fünf, wenn es graut, im Frühling um sechs, wenn’s grad hell ist, doch gehen Sie bitte nicht laut.
Schleichen Sie sachte auf Socken, auf spitzen Zehen ums Eck, vermeiden Sie jedes Geräusch, sonst hat der Versuch keinen Zweck.
Wenn Sie sich richtig verhalten, so, wie oben erklärt, werden Sie etwas erfahren, was lediglich der erfährt,
der sonntags morgens im Frühling, im wahren Wortsinn diskret, wenn alle andern noch schlafen, um sechs vor die Haustür geht.
Sonntags morgens um sechs können Sie etwas sehen, das nur um diese Zeit geht, dass Vögel spazieren gehen.
Besser gesagt „promenieren“, als wie auf dem Boulevard, in größeren Gruppen und einzeln, die Tauben meistens als Paar.
Stolzieren, parlieren, flanieren auf Straße und Trottoir, ein Corso in farbigen Federn, in glänzendem Schwarz der Star.
Hätten Cafés schon geöffnet, nähmen die Vögel wohl Platz, bestellten Brioche und Espresso, Corretto con Grappa der Spatz.
Sonntags morgens um sechs– das müssen Sie mal probieren – stehen Sie mal so früh auf und geh’n mit den Vögeln spazieren.
Fritz Eckenga
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