: Erste „Schule OHNE Rassismus“ in Bremen
Eine schwarz-weiße Plakette mit der Aufschrift „Schule OHNE Rassismus – Schule MIT Courage“ prangt seit gestern Mittag neben dem Haupteingang der katholischen Privatschule St. Johannis in der Dechanatstraße.
Nicht dass die private Schule in der Vergangenheit besonders auffällig viele Probleme mit Rassismus gehabt hätte. Eher im Gegenteil. 650 Katholiken aus 16 verschiedenen Nationen lernen dort einmütig nebeneinander. In einem bundesweitem Schulprojekt haben sich jetzt mehr als 90 Prozent der St. Johannis SchülerInnen verpflichtet, mit ihrer Unterschrift aktiv gegen die Benachteiligung von Menschen anderer Rasse, Nation, Religion oder eines anderen Geschlechts vorzugehen. Und als erste Schule im Land Bremen die Auszeichnung bekommen.
Die Plakette am Schultor soll die Schüler jetzt täglich an ihr Engagement gegen Rassismus erinnern und ihren Stolz erwecken. Bedingung für diesen Titel ist außerdem die Organisation einer Projektwoche zum Thema Rassismus.
Allerdings unterschrieben nicht alle Schüler die Verpflichtungserklärung. Sie hatten nach eigenen Angaben Angst vor rechtsradikalen Übergriffen und vor zu viel Aufmerksamkeit bei Neonazis.
Großes Hallo erregte bei den Schülern aber weniger ihr Bildungssenator Willi Lemke (SPD) mit der neuen Anti-Rassimus-Plakette unterm Arm, sondern die Anwesenheit der beiden SV Werder Bremen Spieler Marco Bode und Ailton Concalves da Silva, die die Patenschaft für die Schule übernommen haben. Jedenfalls brach gleich ein Ansturm von kleinen Autogrammjägern über die Sportstars herein.
In seiner Ansprache betonte Bildungssenator Willi Lemke die Aktualität der Auszeichnung. Krieg und Vergeltung dürften nicht die Antwort auf die Terroranschläge in den USA sein, sondern ein offenes Aufeinanderzugehen im Dialog. Die Schüler der St. Johannis-Schule hätten ein Zeichen gesetzt, „gegen die Diskriminierung Andersdenkender zu arbeiten“ und sich für mehr Verständigung einzusetzen.
Die Idee zu der Initiative hatten die SchülerInnen aus der Antirassismus-AG ganz eigenständig entwickelt. Seit Sommer warben sie bei ihren Mitschülern für das Projekt der Aktion Courage e.V. „Schule ohne Rassismus“, an dem sich deutschlandweit bereits 70 Schulen beteiligen.
Nina Gessner
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