: berliner szenen Gute und Schlechte
Schöne alte Welt
Früher war die Welt kompliziert und unübersichtlich, auch in Berlin. Dieser Tage aber, da George W. Bush für 19 Stunden in Berlin weilte, ist alles wieder ganz einfach geworden. Sein Besuch hat die Stadt erneut geteilt – nicht in Ost und West, das wäre der Ironie dann doch zu viel gewesen, sondern in gute und schlechte Berliner.
Die guten Berliner, das ist klar, das sind die Berliner, die sich auf George W. Bush gefreut haben. Wie Gerhard Schröder. Oder Klaus Wowereit. Oder Georg Gafron. Oder Peter Dussmann. Ihre Freude erschließt sich allein aus Namen und Funktionen, oder weil sie mit Bush bei „Tucher“ essen gehen durften. Gute Berliner aber sind auch der Maurer Günter Gaffry, der sich noch an die Rosinenbomber und die Lucky Strikes erinnern kann. Oder die Zahnarzthelferin Brigitte Häbermann, die Bush einfach mal live sehen wollte. Oder der Herzspezialist Roland Hetzer, der selbst mal in den USA gelebt hat. Gründe dafür, ein guter Berliner zu sein, gibt es also viele.
Nicht deren ganz so viele gibt es, um als schlechter Berliner demnächst sein Dasein fristen zu müssen. Schlechte Berliner sind all die Menschen, die gegen Bush auf die Straße gegangen sind. Die Chaoten also. Gregor Gysi. Petra Pau. Klar. Nicht so klar aber ist, dass man auch Franz Josef Wagner und George W. Bush höchstselbst in Zukunft zu den schlechten Berlinern zählen muss. Der eine hat in seiner Post an Laura Bush geschrieben, die Berliner würden am liebsten japanische Autos fahren. Das stimmt nicht und das erzählt man natürlich auch keiner amerikanischen Präsidentengattin. Und der andere, George W. Bush, hat bei „Tucher“ einfach die Currywurst verschmäht und nur Apfelstrudel gegessen. Das geht natürlich auch nicht. FRANCIS BERGMANN
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