piwik no script img

KOSOVO: DER KAMPF GEGEN DIE KRIMINALITÄT MUSS VERMITTELBAR SEINDie Gefahr der Solidarisierung

Der Kampf gegen die organisierte Kriminalität ist eine zentrale Aufgabe der Politik – in Deutschland, auf dem Balkan und anderswo. Wenn Mafia-ähnliche Strukturen Wirtschaft und Politik so weit beeinflussen, dass eine demokratische Entwicklung unmöglich wird, dann muss mit aller Schärfe gehandelt werden. Zumal, wenn die internationale Gemeinschaft wie im Kosovo das Sagen hat.

Die Mafia hat sich in den letzten Jahren auf dem gesamten Balkan hervorragend entwickeln können – unter den Augen der internationalen Gemeinschaft. Tatsächlich hat diese sogar dazu beigetragen, vor allem was den Frauen- und Mädchenhandel betrifft. In tausenden von Puffs werden Frauen in Bosnien, Mazedonien und im Kosovo zur Prostitution gezwungen. Ohne die dort stationierten Soldaten und Zivilisten der internationalen Institutionen hätten sie nicht genügend Kundschaft.

Ob die beiden im Kosovo verhafteten Exkommandeure der albanischen Guerilla UÇK in derartige Aktivitäten verwickelt sind, geht aus der Anklage nicht hervor. Zwar ist klar, dass Rrustem Mustafa und Ramush Harandinaj nach dem Krieg Schutzgelder erpresst haben. Doch zumindest der noch vor kurzem von der UN-Mission als „liberaler Politiker“ hoch gelobte Harandinaj soll gar nicht deswegen vor Gericht – sondern lediglich wegen einer lapidaren Schießerei vor seinem Haus.

Warum eigentlich? Gibt es nicht genug Beweise? Oder ist noch etwas anderes im Spiel? Aufhorchen lässt, dass nach den Verhaftungen von internationaler Seite erstmals Albaner im Kosovo und in Mazedonien im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Terrorismus erwähnt wurden. Diese Formulierung macht Sorge – vor einem Paradigmenwechsel der westlichen Balkanpolitik. Wenn aus bisher gehätschelten „Freunden“ plötzlich „Terroristen“ werden, dann fühlt sich die gesamte albanische Bevölkerung angesprochen. Denn die sieht den Krieg 1998/99 nach wie vor als Befreiungskampf gegen die serbische Unterdrückung an.

Solidarität mit kriminellen Strukturen der Ex-UÇK zu erzeugen, ist kontraproduktiv. Wer so handelt, erweist allen Bemühungen, die Kriminalität im Kosovo in den Griff zu bekommen, einen Bärendienst. ERICH RATHFELDER

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen