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Betr.: Bambule, taz hamburg diverse Ausgaben

Empörung

Herr Senator Schill, Herr Senator Mettbach, die Aktion gegen die Bewohner des Bauwagenplatzes Bambule nötigt mir, mit allem Respekt vor Ihrer regulatorischen Aufgabe, ein erhebliches Maß an Empörung und Befremdung ab. Ich lebe und arbeite in Hamburg in der Tradition hanseatischer Kaufleute, die sich über Jahrhunderte, bei aller politischer Heterogenität durch ihre Liberalität, Weltoffenheit und einem ungeschriebenen Kodex auszeichnete, der das gesprochene Wort und den Handschlag dem fixierten Vertrag gleichstellte. Dies färbte immer auch auf den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg ab, und deshalb konnte sich dieser Stadtstaat lange Zeit auf seine Bewohner und ihre Vertreter etwas einbilden.

Wenn der aktuelle Senat nun, aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, vermutlich aber um einer kleingeistigen Machtdemonstration willen, Menschen, die sich friedlich und überlegt einer alternativen Wohnform widmen, wegräumt, muss er sich Fragen gefallen lassen. War das nötig? War das angemessen? War das lösungsorientiert? Vor allem: War für beide Seiten geklärt, dass ein hanseatisches Ehrenwort – von wem und warum auch immer gegeben – nicht gebrochen wurde?

In Hamburg dominierte lange Zeit nicht die Politik der Stärke, die im Kern eine Politik der Schwäche ist, sondern eine Politik der Schläue. Diesen Konsens haben Sie nun verlassen. Das schmeckt echten Hamburgern bitter. Aus anderen Metropolen können Sie sich dabei argumentativ nicht bedienen, denn vergleichbare Gemeinwesen wie Amsterdam, Kopenhagen, San Francisco oder auch New York erlauben sich keine solche piefige Kleingeisterei. Politik ist auch im vorliegenden Fall die Ursache für das so genannte „Problem“ und Ihnen wird es schwer fallen die Kausalitätskette taschenspielerartig zu wenden. Lassen Sie es mich in Ihren markigen Worten beschreiben: Sie können so viele „Pickel“ ausdrücken wie Sie wollen, die Akne bleibt. Nur wenn Sie schmutzige Finger haben, kann es zu einer üblen Narbenbildung führen.

Sehen, Nachdenken, Handeln heißt das magische Dreieck, dem sich ein Hamburger verpflichtet fühlen sollte. Wenn Sie weiterhin einzelne Teile aus dieser Kette vorsätzlich oder fahrlässig ausblenden oder auslassen, wird das Kapitel über Ihr Wirken in unserer Stadt knapp ausfallen. Georg Möller