wortwechsel: Arbeiten für die Altersvorsorge
Die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren polarisiert. Doch wie kann ein neues System aussehen?
Foto: Paul Glaser
Viele müssen länger arbeiten
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Was völlig fehlt und alle Politiker gerne nicht erwähnen, ist, das die Rente mit 63 sowieso nur für die Menschen gilt, die vor 1952 geboren sind. Wer später Geburtstag hat, muss pro Jahr später als 1951 zwei Monate länger als 63 Jahre reißen. Rente mit 63 galt also für ganz viele Menschen noch nie. Und ihr solltet in euren Artikeln wenigstens erkennen lassen, das ihr das wisst.
Jörg Tebrügge, Oerlinghausen
Diskussion beenden
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
„Ob unterm Strich das Rentensystem von den Beamt*innen tatsächlich profitieren würde, ist unter Fachleuten jedoch umstritten.“ Es geht doch vorrangig um das Gerechtigkeitsempfinden und darum, diese ewige Diskussion zu beenden. Aber in jedem System ist es am allerschwierigsten, die Privilegien der staatstragenden Funktionselite zu beschneiden. Wir sollten eh froh sein, dass diese heute nicht mehr Adel oder Militär oder Partei, sondern eine weitgehend brave Beamtenschaft ist.
Comerade Aardvark auf taz.de
Gezielte Entschädigungen
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Die abschlagsfreie Frührente war von Anfang an systemfremd. Die Renten beruhen auf Beiträgen, diese Frührente war ein Geschenk, mit dem die Parteien Stimmen kaufen wollten. Wenn man bestimmte Gruppen entschädigen oder Ungerechtigkeiten beseitigen will, soll man das gezielt tun. Aber nicht jedem, der 45 Jahre eventuell im Büro gesessen hat und sowieso eine gute Rente bekommt, diese noch aus den Beiträgen von Menschen mit Arbeitslosigkeit und Krankheit in der Berufsbiografie aufbessern.
moonwatcher auf taz.de
Heftiges Framing
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Man muss natürlich fragen, wer das bezahlen soll, und man kann unterschiedlicher Meinung sein, was gerecht ist. Aber eine Rente nach 45 Beitragsjahren als Frührente zu bezeichnen, ist schon ein heftiges Framing.
Mich ärgert schon, dass immer von „Rente mit 63“ gesprochen wird, ohne zu erwähnen, dass diese Leute viel länger eingezahlt haben als viele Akademiker, die mit 65 oder 67 in Rente oder Pension gehen (und aufgrund niedrigerer Lebenserwartung statistisch übrigens trotz früheren Rentenbeginns kürzer Rente beziehen). Aber der Begriff Frührente in diesem Zusammenhang wird der Lebensleistung dieser Menschen so sehr nicht gerecht, dass es schon unverschämt ist.
Ruediger auf taz.de
Kompletter Systemwechsel
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Die deutsche Politik krankt an der mangelnden Bereitschaft, längerfristige Visionen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu entwickeln. Am Beispiel der sogenannten Rentenreform wird das besonders deutlich. Die reine Reparatur des bestehenden Rentensystems schafft lediglich in die Zukunft verlagerte, neue Sollbruchstellen und erhöht nicht das Vertrauen künftiger Rentner*innengenerationen in eine auskömmliche Altersabsicherung.
Dass die Unionsparteien am alten Rentensystem festhalten möchten, verwundert nicht, weil sie damit die Privilegien einzelner unionsnaher Gruppen ohne Rücksicht auf Verluste verteidigen. Der SPD fehlt die Bereitschaft oder der Mut, anzukündigen, dass in der Rentenpolitik nur ein kompletter Systemwechsel für langfristige Finanzierbarkeit und Verteilungsgerechtigkeit sorgen kann.
Allein Schlagworte wie „Vermögensteuer“ reichen da nicht aus. Es geht um die langfristige Umstellung auf ein beitrags- und steuerfinanziertes System, an dem alle Einkommensarten beteiligt werden. SPD, Grüne und Linke täten gut daran, sich (ohne Angst vor der Union) gemeinsam auf den langen Weg zu machen und die Öffentlichkeit an den Zielen und Überlegungen teilhaben zu lassen.
Bürger L. auf taz.de
Einzelne Blümchen
„Den Beamten nehmen, den Frührentnern geben?“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Die abschlaglose Frührente wird regelmäßig mit dem armen Dachdecker (und Konsorten) begründet, der nicht länger arbeiten kann. Aber warum muss für dieses eine Blümchen das ganze Beet gegossen werden? Eine gezielte Berufsunfähigkeitsrente täte den Job genauso, und das massiv billiger.
uwe auf taz.de
Mangelnder Respekt
„Böse Worte seit 1989“,
wochentaz vom 5. – 11. 9. 26
Wie kann ein angeblich linksorientierter Journalist so einen überheblichen und die Menschen aus der ehemaligen DDR diskreditierenden Artikel schreiben und dieser von der taz gedruckt werden? Der Autor meint offensichtlich, dass man die Brüche und Verletzungen der DDR-Bevölkerung infolge der Übernahme durch Westdeutschland und die Ausplünderung durch die Treuhand überhaupt nicht ernst nehmen muss, dass man das ironisch abwerten kann. Respekt brauchen diese Menschen wohl nicht?
Und dann fragen sich die Linken, warum die Strategie der AfD in den Ostbundesländern aufgeht? Sehr traurig. Noch mehr solche „linken“ Artikel, und auch die Linke verliert jegliches Vertrauen in den Ostbundesländern. Und am Ende dient alles der AfD, einer Partei, deren Vordenker wohlgemerkt alle aus den alten Bundesländern kommen. Bin so enttäuscht.
Antje Kramer, Berlin
Ein berührendes Monument
„Unser Weg zur Sonne“,
wochentaz vom 29. 8. – 4. 9. 26
Dieser Artikel in der Wochenendausgabe hat mich sehr berührt, da ich auch von diesem Monument beeindruckt war und es mir vor langer, langer Zeit angesehen habe. Auch leider nur von der Absperrung aus. Schön, dass es heute zugänglich ist.
Wilfried Roder, Schwerte
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