wortwechsel: Abschottung statt Solidarität
In Ceuta zeigt sich erneut die Unbarmherzigkeit der europäischen Asylpolitik. Nach den Schuldzuweisungen beginnt nun die politische Aufarbeitung
Foto: Violeta Santos Moura/reuters
Doppelmoral
„EU nach Ceuta: Zur Freude der Antieuropäer“, taz vom 4. 8. 26
Solange die „Illegalen“ als rechtlose Arbeitssklaven dafür gesorgt haben, dass in deutschen Supermärkten billiges Gemüse im Regal liegt, haben sie niemanden außerhalb Spaniens interessiert.
Kaum handelt die spanische Regierung und gibt ihnen einen Aufenthaltsstatus und damit einen Teil ihrer Würde zurück, schreien die Faschisten und ihre konservativen Unterstützer wie Alexander Dobrindt, Friedrich Merz, Manfred Weber und Ursula von der Leyen Zeter und Mordio.
Ich kann meine Hochachtung vor der Regierung Sánchez und meine Abscheu vor dem Handeln der genannten Unionspolitiker nicht oft genug zum Ausdruck bringen. Flix, taz.de
Angriff auf Sánchez
Mich wundert, wie viele Expert:innen mit und ohne Regierungsamt fix mit solchem Negativurteil über die Grenzsicherung in 1.500 Kilometer Entfernung aufwarten können.
Aktuell versuchen der konservative Partido Popular und andere Postfranquist:innen mithilfe konservativer Medien systematisch, den Ruf des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zu zerstören. Dieser Kampagne sollte widerstanden werden, auch wenn – wie der Fall Zapatero leider zeigt – auch Sozialisten keine Heiligen sind.
Jörg Wiesenfeldt, taz.de
Rechte Profiteure
Auch ohne an Verschwörungstheorien zu glauben oder davon auszugehen, dass das Flüchtlingsdrama in Ceuta gesteuert wurde (um Pedro Sánchez eins auszuwischen), kann man erkennen, wer auf alle Fälle von dieser Situation profitiert: Es sind die Autokraten Donald Trump und Wladimir Putin und diejenigen in der EU, die ihnen ständig sekundieren. Also die europäischen Rechten und hasenfüßige Transatlantiker aus den anderen politischen Lagern.
Darüber hinaus dürften alle Staaten an den EU-Außengrenzen genau hingeschaut haben, die glauben, aus der Flüchtlingskrise Kapital schlagen zu können, da die Europäer in dieser Frage erpressbar und uneins sind. Abdurchdiemitte, taz.de
Würdeloser Blickfang
„Migration nach Ceuta: Gerüchte und außenpolitische Spielchen“,
taz vom 2. 8. 26
Ich war entsetzt von der Auswahl des Titelfotos für oben genannten Artikel. Ich habe mich auf den ersten Blick gefragt, ob Sie eine Leiche als Clickbait verwenden, bei näherer Betrachtung scheint der Mann „nur“ erschöpft zu sein.
Ich persönlich würde in so einem Moment nicht fotografiert werden und noch viel weniger als Blickfang beim Scrollen dienen wollen. Es gibt sicherlich eine bessere Methode, um auf das Thema aufmerksam zu machen, idealerweise eine, die die Würde der Abgebildeten wahrt. Jette Binder
Ohne Widerstand
Viel wichtiger als die Frage, wie es dazu kam, dass sich so viele Menschen auf den Weg machten, um vielleicht ein besseres Leben anzufangen, ist die Frage, wieso sie so widerstandslos zurückgegangen sind! Darüber wird nichts berichtet. Wenn es eine „Schleusermafia“ gegeben hätte, die das organisiert hat, dann wäre die „Critical Mass“ mächtig genug gewesen, ihr Ziel zu erzwingen!
Da hätte das Militär schießen können – alle Welt wäre erbost gewesen und letztendlich und mit vielen Toten wäre das Gemeinsame Europäische Asylsystem bezwungen worden. Ich denke da an Ungarn im Jahr 1989. Was hat Spanien geboten? Was hat Marokko geboten, dass so viele Menschen ihre Hoffnung aufgegeben haben? Karl Buck
Demaskierung der EU
„Europäische Reaktionen auf Ceuta: Unsolidarisch und anmaßend “,
taz vom 2. 8. 26
Von Spaltung kann keine Rede sein, wenn sich 22 EU-Staaten in der Sache einig sind. Gelungen ist die öffentliche Demaskierung dieser Staaten und damit der EU. Das hohe Gut der Menschenrechte, mit dem die EU im Ausland hausieren geht und sich besonders gegenüber Ländern des Globalen Südens als Lehrmeister aufspielt, ist mit dieser Erklärung endgültig ad absurdum geführt worden.
Weniger Merz und Meloni und mehr Sánchez bedürfte es, um den Wertekanon der EU auch wieder in der Praxis zu etablieren und das Ansehen der EU wieder herzustellen. Sam Spade, taz.de
Hartes Leben
Stressbedingte Ausfälle: Ungesunde Arbeitswelt,
taz vom 3. 8. 26
Unsere Eltern haben mehr gearbeitet und unsere Großeltern noch mehr, schon alleine weil das Leben an sich schon viel härter war und viel weniger Luxus und Annehmlichkeiten wie in der heutigen Zeit bot. Bei meinem Vater waren 14-Stunden-Schichten, normal, sechs Tage arbeiten war ebenfalls normal. Selbst heute mit 64 Jahren fährt er nachts oder sonntags in die Firma. Ich denke, ein großes Problem ist, dass wir einfach nicht mehr mit Belastungen umgehen können, wir sind eine Jammergesellschaft geworden.
PartyChampignons, taz.de
Kooperativ und verlässlich
„FDP-Chef Kubicki über seine Partei: ,Wie Sie sehen, lebe ich‘“,
taz vom 3. 8. 26
Wolfgang Kubicki hat Entertainerqualitäten. Aber ein politischer Fips Asmussen allein bringt noch keine fünf Prozent.
Eigentlich wäre liberale, ebenso wie sozialdemokratische Politik nötig, gerade in der inneren Sicherheit oder bei den Bürgerrechten. Auch eine Ampel wäre denkbar, das geht aber frühestens mit der nächsten Politikergeneration und mit einer FDP, die kooperativer und verlässlicher ist. FtznFrtz, taz.de
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