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wortwechselEin Kartenhaus stürzt ein

Die deutschen Hochlohnwerke sehen schlecht aus, denn andere Nationen haben auch bei Produktivität aufgeholt. Droht der Einsturz eines wackeligen wirtschaftlichen Konstrukts?

Geschmacklos

Titelseite, wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

Ich weiß, dass die taz sich immer sehr bemüht, nicht alltägliche, sondern fesselnde und provozierende Überschriften zu wählen. Und oft sind sie richtig spitze! „Volk ohne Wagen“ mit seiner Assoziation zum Nazisprech „Volk ohne Raum“ finde ich allerdings ziemlich geschmacklos.

Ich will ja weiterhin Höckes sprachliche Provokationen mit Anlehnung an SA-Slogans kritisieren. Dazu passt für mich nicht, dass die taz so was auch macht, auch wenn ihr damit natürlich etwas Kritisches sagen wollt.

Martina Jung, Hannover

Fantasien

Vermutungen über eine Gefahr“,

wochentaz vom 4. – 10. 7. 26

Der Autor prangert an, dass der Staat Sexpuppen mit kindlichen Zügen verboten hat,und auch, dass es dagegen keine öffentlichen Proteste gab. Er fragt, ob Kindersexpuppen möglicherweise Missbrauch verhindern, und stellt fest, dass wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen.

Was er nicht fragt, ist, ob Sexpuppen mit kindlichen Zügen einem Missbrauch Vorschub leisten können. Selbstbefriedigung wird schließlich von Fantasien begleitet. Wem diese und die eigenen Hände nicht mehr ausreichen, greift zu anderen Mitteln. Was aber, wenn die Simulation des Missbrauchs anhand einer Puppe – denn es wäre ja zwangsläufig einer, wenn das Objekt der Begierde ein Kind ist – dem Pädophilen nicht mehr ausreicht? Mit einer Puppe statt eines echten Kinds ist es immer noch „gespielter“ Missbrauch. Pädophile brauchen psychologische Hilfe, keine Sexpuppen, die ihren Trieb noch anstacheln und ihre Fantasien quasi erlebbar machen. Die Entscheidung des Verfassungsgericht ist daher gerechtfertigt, der Meinungsartikel des Autors hingegen zynisch und geschmacklos.

Barbara O’Mara, München

Ernährungsweise

Mit Strom gegen den Klimawandel“,

wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

Bitte thematisieren Sie im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch die Nutztierhaltung. Unsere Ernährungsweise schadet dem Klima enorm – das wird aber weitgehend ausgeklammert. Und Fleischkonsum ist mit sehr viel Wasserverbrauch verbunden. Ganz abgesehen vom Leid der Tiere. Wir haben kein Recht, sie zu essen. Wie wir leben, ist längst nicht mehr zeitgemäß, eine Umstellung unabdingbar.

Die Umsatzsteuer auf gesunde Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sollte gesenkt werden. Sowohl Kosten hinsichtlich Klima als auch Gesundheitswesen könnten eingespart werden

Eva Gruber, München

Lesevergnügen

Einer, der im Osten bleibt“,

wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

Ich lese mehrere Zeitungen. Die taz am liebsten für Artikel wie den über den mutigen Sebastian Hüller oder für die ausführliche Recherche auf der Insel Riems.

Das heißt nicht, dass ich nicht auch gerne mal was Boulevardeskes lese, aber am letzten Wochenende war es mir etwas zu geballt. Anna Fastabends Recherchen zum aktuellen Pudeltrend in Berlin hatten ja noch einen Anlass und eine gewisse Substanz, aber das nostalgische Schwelgen in Erinnerungen an privilegiertes Reisen zu Studienzeiten fand ich jetzt eher etwas fürs private Tagebuch.

Vollends absurd wird es mit dem Interview mit Ben Bernschneider. Burberry-Mäntel und Schuhe für ein halbes Monatsgehalt haben in meinen Augen nichts mit Stil zu tun, sondern sind einfach zur Schau gestellter Reichtum. Stilvoll einkleiden geht auch im Secondhandshop oder im Schlussverkauf – das wäre vermutlich näher an der Lebensrealität vieler Leserinnen und Leser.

Daniel Gotzen, Reutlingen-Betzingen

Eso-Krautrock?

Sie waren linksradikal und nicht auf der Suche nach Gott“,

wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

Eine Besprechung von Diedrich Diederichsen eines neuen Buchs über französische Prog-Musik aus den 1960er und 1970er Jahren. Auch noch samstags, also auf Papier gedruckt! Da habe ich mich freudig draufgestürzt.

Nach dem Lesen aber verwirrtes ­Am-Kopf-Kratzen. Der Artikel ist gespickt mit Spitzen gegen den Krautrock, also die zeitgleiche deutsche Prog-­Musik. Bei Krautrock denke ich an Bands wie Amon Düül II, Can, Neu! oder Faust. Diese Bands sollen eine „kosmische Disposition“ gehabt haben und eine „Dominanz von paraanthroposophischer Esoterik“? Hä? Seit wann denn das? Und was soll das überhaupt sein? Okay, der Autor der Rezension ist ein ausgewiesener Experte, und alle Leser bei diesem speziellen Thema abzuholen, ist schwierig. Weniger verspult wäre aber hier besser gewesen.

Carsten Ferfer-Gerdemann, Dormagen

Autobauer

Die Krise der Einen ist die Werks­eröffnung der Anderen“,

wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

„Wichtiger als Lohnkosten seien Produktivität, Innovation und Qualität, sagt der Gewerkschafter.“ Ja, nur sind in diesen Bereichen andere Länder mittlerweile auch ziemlich gut. Und dabei eben noch günstiger. Abgezeichnet hat sich das schon lange, nur haben die Gewinne aus China die deutschen Hochlohnwerke viele Jahre lang quersubventioniert. Dieses Kartenhaus bricht nun zusammen.

Desdur Nahe auf taz.de

@Desdur Nahe: Das sind vor allem die Folgen der abstrus hohen Strompreise, die in Deutschland fast viermal so hoch sind wie in Ungarn. Die Deindustrialisierung, das heißt der Verlust der gut bezahlten Jobs inklusive der durch diese generierten und unseren Sozialstaat finanzierenden Steuern, ist politisch gewollt, da können die Unternehmen gar nichts für. Die passenden Schlagwörter wie deutsche Energiewende, Degrowth oder Abschaffung des Individualverkehrs kennt jeder – so langsam lernt auch jeder die Folgen dieser Schlagwörter kennen.

elektrozwerg auf taz.de

James Hobrecht

„Wovon die Stadt lebt “,

wochentaz vom 18. – 24. 7. 26

Der verstorbene Architekt Heinz Hilmer war ein leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen Neuerung und Bewahrung in der Baukultur, „dass wir uns nicht der besonders in der Moderne gehegten Hoffnung hingeben, etwa wirklich Neues erfinden zu können, sondern dass wir uns stattdessen bewusst an den immer wiederkehrenden Grundformen der Architektur und des Städtebaus orientieren“. Die Architekten Nöfer und Kollhoff knüpfen an die Grundgedanken von Heinz Hilmer an. Eine Stadtreparatur, die nicht das Zukünftige gegen das Tradierte ausspielt, sondern die Sphären versöhnt.

Katrinka Delattre, Hamburg

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