wortwechsel: Die Endlosspirale der künstlichen Intelligenz
Die Reihe „KI und Journalismus“ trifft einen Nerv der Leser*innen. Natürlich kann man die KI nach Infos fragen, finden sie. Aber nachprüfen muss man
Debatte ist nötig
„KI und Journalismus: Ist da wer?“,
wochentaz vom 20. 6. 26
Vielen Dank für Ihren so wichtigen und überzeugenden Artikel! Ich „vertraue“ der taz, ihrem kritischen Journalismus und möchte dies weiterhin tun können. Ich mag diese freie, kreative Art des Schreibens und Kreierens von Überschriften, ein Markenzeichen, das inzwischen auf andere Printmedien abgefärbt hat.
Dieser Hype um die sogenannte Intelligenz eines Rechners, auch mit noch so komplexer Software, nervt mich schon fast mein ganzes Leben lang. Ich gehöre der Generation an, die Joseph Weizenbaum noch live erlebt hat. Er war selbst erschrocken, als er erleben musste, dass Menschen mit seinem Chatbot Eliza sprachen, als handele es sich um eine Person. Er wurde von einem Entwickler zu einem der schärfsten Kritiker der „künstlichen Intelligenz“. Kürzlich habe ich mir ein neues Handy gekauft. Den vorinstallierten KI-Anwendungen kann frau kaum entkommen. Also erst mal löschen, deaktivieren, soweit möglich, und hoffen, dass das Handy weiterhin funktioniert. Völlig irreführend der Hinweis in der Google-Suchmachine „Denkprozess läuft“ und nervig die oft nichtssagende KI-Übersicht. Wer hat ein Interesse daran, uns glauben zu machen, dass es sich bei alldem um „Intelligenz“ handelt? Wie immer im Kapitalismus geht es ums Geld, um die Vermehrung des Reichtums weniger, im Übrigen alles Männer, um Macht und Einfluss. Kreativität, eine zutiefst menschliche Gabe, wird zur Ware, wird sich privat angeeignet und vermarktet von einigen wenigen Techmilliardären, die im Besitz der Unternehmen sind. Mag sein, dass es sinnvolle KI-Anwendungen gibt. Deepfakes von Personen und das Erstellen journalistischer oder wissenschaftlicher Texte sind es nicht. Darüber eine gesellschaftliche Debatte zu führen, wäre dringend notwendig.
Inge Kaufmann, Berlin
Hingehen und schauen
„KI und Journalismus: Selbst schuld“,
taz vom 17. 6. 26
Liebe taz, dass es für die spannende Miniserie zu KI und Journalismus keine Kommentarfunktion im Netz gibt: Passt da was nicht zusammen? Vielen Dank an Ambros Waibel und heute an Adrian Lobe. Was vom Journalismus bleibt, ist nicht nur Meinung. Die habe ich selbst, auch wenn mich die anderer interessiert. Was nur Journalismus kann, und das hat Lobe ja durchaus eingeschlossen, ist Interview mit den passenden Partner*Innen und vor allem Reportage. Ganz altbacken: hingehen, selbst schauen und dann berichten. Was bei Lobe aber nur in einem Nebensatz vorkommt: Natürlich kann man die KI nach Infos fragen und dann die Zahlen eines Konzerns ausgespuckt bekommen – samt Quelle. (Wir Älteren nannten das früher googeln.) Das ist der springende Punkt: Vom Journalismus erwarte ich mir, dass er der KI das Ergebnis nicht einfach glaubt, sondern diese Quelle auch prüft! Ad fontes, sagt der Historiker, und das wäre neben Interview und Reportage und Meinung ein weiterer Punkt. Braucht Zeit, kostet Geld. Weiter so mit der Debatte, die in den „Premiummedien“ an Flachheit kaum zu überbieten ist!
Andreas Strobl, München
KI regulieren
„Künstliche Intelligenz: Denken wie das verbreitete Mittelmaß“,
wochentaz vom 21. 6. 26
Was Malte Engeler mit vielen, normativ bis zum Anschlag aufgeladenen Worten sagt, ist: KI kann den Mainstream des Bestehenden zusammenfassen. Sie kann weder Neues denken noch Perspektiven gut repräsentieren, die nicht verschriftlicht sind. So what? Das ist jetzt inhärent gewaltvoll und entmenschlichend? Das ist ein nötiger Arbeitsschritt in zahllosen Recherche- und Forschungsprozessen. Ein Schritt, den Forschende und Journalist*innen natürlich auch selbst übernehmen oder an eine Hilfskraft delegieren können. Und somit schlimmstenfalls einen Menschen stundenlang stumpfsinnig beschäftigen. Wenn eine KI diesen Arbeitsschritt in Minuten erledigt, kann ich meine kostbare menschliche Arbeitskraft verwenden, um Neues zu denken oder marginalisierte Personen zu identifizieren und zu befragen – etwas, wofür es oft an Zeit und Ressourcen mangelt. Das Beispiel der skandalösen Verwendung von KI, um angeblichen Sozialhilfebetrüger*innen die Leistungen zu entziehen, zeigt sehr schön, was nötig ist, wird aber von Malte Engeler als irrelevant abgetan: regulieren, was KI „darf“ und was nicht, kritische Prüfung von KI-Ergebnissen institutionalisieren, Kontrollen von Entscheidungen einziehen und klarstellen, wer die Verantwortung trägt. Also menschliche Machtausübung kontrollieren statt KI dämonisieren.
Corinna Fischer, Frankfurt am Main
Zu viel Mist gelernt
„KI im Journalismus: Text ohne Autor“,
wochentaz vom 20. 6. 26
KI als Hilfsmittel für Übersetzungen, Rechtschreibung et cetera zu verwenden, finde ich okay. Aber ganze Artikel, gar Recherchen mit KI-generierter Meinung oder Färbung – das geht gar nicht! KI-Algorithmen durchstöbern ununterbrochen das Netz, um zu lernen. Dabei finden sie natürlich auch ihre eigenen Artikel … und nehmen diese als weitere verlässliche Quellen. Nicht auszudenken, wohin das führt! Am Ende wird diese Art von KI absolut nutzlos. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass die KI viel zu viel Mist unreflektiert „gelernt“ hat und das als belastbare Recherche ausgibt. Die Gefahr ist ja auch, dass zum Beispiel automatisch eine Meinung in verschiedene Plattformen millionenfach hineingepostet wird und eine KI das dann als Input nimmt. Dem Fake, der Meinungsmache ist schon jetzt Tür und Tor geöffnet.
(Dieser Kommentar ist aus eigenen Überlegungen und Wahrnehmungen entstanden.)
Leser*in PfoteMila auf taz.de
„Typischer KI-Text“
„KI-Erkennungssoftware: Die Grenzen der Detektoren“,
wochentaz vom 20. 6. 26
Ich habe zwischen 1992 und 2020 einiges an Büchern zu technischen Themen geschrieben – qua Zeitraum über jeden KI-Zweifel erhaben. Ich verfolge die Debatte über KI-Plagiatsprüfer und probiere die Prüfer auch gerne mal an meinen eigenen Texten aus. Mit einem gewissen Amüsement, denn bisher haben die Prüfprogramme immer gesagt, dass die Texte „höchstwahrscheinlich von KI“ verfasst worden sind – bei einem von mir selbst geschriebenen Text von 2017. Das Problem ist, dass das, was derzeit als „typischer KI-Text“ gehandelt wird, mein Schreibstil ist, wie er über Jahrzehnte gewachsen ist, von Lehrern und später Lektoren geformt. Aber wie Sie schon schrieben, die Technik ist alles andere als perfekt. Schwierig wird es, wenn KI-Erkennungstools ungefiltert über das Schicksal der Person entscheiden, die den Text verfasst hat.
Michael Keukert, Aachen
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