wortwechsel: Von Frauenthemen gekapert
Die taz hat feministischen Themen zum Frauentag viel Platz gewidmet. Der Leserschaft gefielen die Texte, aber sie vermisste die redaktionelle Grundversorgung der wochentaz
Wohnungslos
„Haltet zusammen und verratet euch nicht“,
feministaz vom 7.–13. 3. 26
Ich war auch mal vier Jahre obdachlos und wurde wegen meiner Obdachlosigkeit wie eine psychisch Kranke behandelt! Aber Obdachlosigkeit bedeutet nicht, psychisch krank zu sein.
Karin Auer, München
Männliche Rollenbilder
feministaz vom 7.–13. 3. 26
Das beschriebene Mailänder Konzept finde ich sehr beeindruckend. Allerdings fehlt mir ein Aspekt. Zwischen der eingangs beschriebenen Struktur der Mosuo und dem Affidamento besteht ein wesentlicher Unterschied: In Ersterer haben die Männer einen Platz und eine Aufgabe (die Sorge um die Kinder ihrer Schwestern), in Zweiterer kommen sie nicht vor.
Da denke ich an den heutigen Mangel an guten männlichen Rollenbildern und an die Probleme isoliert lebender Männer, zum Teil „Incels“ (unfreiwillig sexuell enthaltsam); manche dieser Männer wählen dann womöglich die falsche Partei. Stephan Pickl, Kassel
Zu viel des Guten
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Ich habe ja Verständnis dafür, dass ihr zum Weltfrauentag diesem Thema sehr viel Platz widmet. Aber dass es die ganze Ausgabe trifft, ist zu viel des Guten, wo sich doch auch sonst dramatische Geschehnisse in der Welt ereignen, beispielsweise der von Trump angezettelte Iran-Krieg.
Es ärgert mich vor allem deswegen, weil ich nur die Samstags-(Papier)-taz abonniert habe und ich eigentlich auch ein ganz allgemeines Informationsbedürfnis habe. Walter Martin Deggenhausertal
Leitplanken sichern
„Solidarität braucht auch strategische Geduld“, feministaz vom 7.–13. 3. 26
Meine erste Solidarität habe ich von den Frauen in meiner Familie erfahren, die mich zum Teil heimlich unterstützt und auf meinem Weg ermutigt haben. Ich würde Constanza Moreira widersprechen, die vor allem junge Frauen zu unterstützen vorgibt. Auch in Uruguay wird es Frauen geben, die nach der Erziehungszeit arbeiten und trotz ihrer Kompetenzen in prekäre oder weniger qualifizierte Jobs abgeschoben werden. Wenn eine Politikerin junge Frauen unterstützt, organisiert sie sich damit auch eine sichere Gefolgschaft.
Ich bin überzeugt, Frauen und Mädchen brauchen klare Rechte und Gerechtigkeit. Mädchen sollten kämpfen lernen, junge Frauen brauchen eine Ausbildung, die Frauenbewegung braucht Gewerkschaften, Mädchen und Frauen brauchen Nachbarschaften. Und alle die nicht kämpfen können oder Pech in ihrem Leben hatten, brauchen Schutz und Solidarität und eine gute Nachbarschaft. Das sind die Leitplanken, die ich immer wieder bestätigt finde.
Jeannette Kassin, Hamburg
Fremdbestimmt
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Obwohl ich mich auf jeden Fall als Feministin verstehe, habe ich mich über die letzte Wochenausgabe nur geärgert. Ich habe die taz als meine einzige Wochenzeitung abonniert und möchte in diesen Krisenzeiten auch über das Geschehen in der Welt informiert werden.
Durch die Feministaz fühlte ich mich zwangsagitiert, und das kann ich überhaupt nicht leiden! Eine Beilage wäre okay gewesen, aber einfach über uns Leserinnen auf dieser Art und Weise zu verfügen, finde ich absolut nicht in Ordnung.
Christa Pohl
Was Frauen bewegt
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Es gibt einmal im Jahr den internationalen Frauentag: Warum werden in der Feministaz zwei Drittel der Artikel mit den Themen der LBTQ verbunden?
Ich setze mich auch für diese Themen ein, aber ich finde es legitim, am internationalen Frauentag nur die Themen, die Frauen bewegen, in den Mittelpunkt zu stellen. Claudia Wörmann, Köln
Wochenzeitung
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Wenn eine Zeitung, wie neuerdings die taz, nur einmal pro Woche erscheint, erwartet man mindestens eine Art „Grundversorgung“ mit Informationen aus Politik, Gesellschaft, Kultur et cetera.
Bei der vorliegenden feministaz hat all das leider komplett gefehlt.
Die Zeitung wurde radikal, mit Haut und Haaren, gekapert. Nicht einmal die „Wahrheit“, mein Überlebenselixier ist geblieben. Dabei ist es wurscht, ob es bei der Spezialausgabe um Klimaschutz, schöner Wohnen oder eben Frauenrechte geht.
Gerne Themenschwerpunkte, gerne einen Sonderteil, aber bitte lasst noch etwas taz übrig.
Thomas Locher, Allensbach
Rundreise
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Herzlichen Dank für diese inspirierende, informative, anrührende und spannende feminitaz! Ich habe jeden Artikel dieser Reise um die Welt auf den Spuren der Frauen dieser Welt verschlungen.
Wie arm wären wir ohne diese tollen Frauen! Wie arm wäre die Welt ohne uns!
Claudia Mävers, Homberg/Ohm
Über Klassen hinweg
„feministaz“,
vom 7.–13. 3. 26
Ehrlich gesagt, haben mich eure Artikel nach dem Motto „solidarisch vernetzt“ mit Blick auf Vielfalt etwas unangenehm berührt. So gut wie alle dargestellten Personen haben studiert und sind größtenteils sehr erfolgreich, verfügen über eine überdurchschnittliche Bezahlung, Status und Wohlstand.
Es ist sehr wichtig, zu zeigen, dass Frauen diesen Status erreichen können. Um eine wirksame Solidarität erreichen zu können, ist nach meiner Meinung nach eine Wahrnehmung, ein Verständnis und ein Zusammenhalt über Klassen hinweg erforderlich.
Mir ist es ein wichtiges Anliegen, das die Arbeit und das „Leben“ von Frauen, die ein durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Einkommen erzielen, sichtbar gemacht und gewürdigt wird. Die taz kann hierfür eine wichtige Plattform sein. Die Erzählung des Erfolgs trotz widriger Umstände kann leicht in Von- der-Tellerwäscherin-zur-Millionärin umkippen und anstelle von Ermutigung dazu führen, dass strukturelle Gegebenheiten zu individuellen Problemen degradiert werden.
Uta S., Berlin
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