wortwechsel: Die Rentendiskussion im Parlament ist sicher!
LeserInnen befürchten durch die Reform des staatlichen Rentensystems des Kanzlers eine weitere Privatisierung der Altersvorsorge, ohne Rücksicht auf steigende Altersarmut
Unwohlsein
wochentaz vom 7.–13. 2. 26
Kann mir mal jemand erklären, warum in der Berichterstattung über den Budapester Prozess gegen Maja T. notorisch – auch in der taz – dem Namen das Adjektiv „non-binär“ beigefügt wird? Es erklärt nichts über den Zusammenhang von angeklagter Person und der mutmaßlichen Tat. Es verfestigt – vielleicht nicht unbedingt beim taz-Leser –, so doch allgemein die Vorstellung, dass Queere kriminell sind. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern journalistisch unprofessionell.
Immerhin kriegt der oben genannte Artikel am Ende noch die Kurve, indem Queerfeindlichkeit allgemein im Zusammenhang mit Rechtsstaatlichkeit oder besser ihrem Mangel reflektiert wird. Es bleibt das Unwohlsein, das sich vorher bei der Lektüre einstellt.
Jürgen Fiege, Bremen
Rentensystem
„Merz will die Altersvorsorge dem Kapitalmarkt ausliefern“,
wochentaz vom 7.–13. 2. 26
Vielen Dank für diesen Kommentar, der die Tatsachen klar herausarbeitet. Bitte mehr davon; als „Gegengift“ zum erneuten Dauerangriff auf unser staatliches Rentensystem.
Ich habe erlebt, wie aufgrund solcher Kampagnen Menschen dadurch beeinflusst wurden und nicht mehr in die Rentenkasse einzahlten. Diese Menschen bedauern heute bitter, dass sie keine/kaum Rente bekommen.
Claudia Seneberg, Glinde
Rentenkommission
„Merz will die Altersvorsorge dem Kapitalmarkt ausliefern“,
wochentaz vom 7.–13. 2. 26
Zitat aus dem Artikel: „Vielversprechend ist eine Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbunds, eine eigene Rentenkommission einzuberufen.“ Dazu habe ich einen Tipp für den DGB und vor allem für die Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Dienst: Verdi hat die ZVK (Zusatzversorgungskasse = Betriebsrente für Angestellte im öffentlichen Dienst) mitvereinbart.
Die Zahlungen werden jährlich zum 1. 7. um 1 Prozent erhöht. Das heißt, die Erhöhung gleicht noch nicht einmal die Inflationsrate aus. Meine realen Einkünfte sinken jährlich. Für gute Vereinbarungen für die ZVK und andere Betriebsrenten wünsche ich der Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds viel Verstand bei den späteren Verhandlungen mit den jeweiligen Arbeitgebern.
Hans-Leo Bobber, Witten
Schweizer Rente
„Merz will die Altersvorsorge dem Kapitalmarkt ausliefern“,
wochentaz vom 7.–13. 2. 26
Als Deutscher, der seit einigen Jahren in der Schweiz lebt und arbeitet, würde ich durchaus empfehlen, einmal einen Blick auf das Rentensystem der Schweiz – das Dreisäulensystem – zu werfen.
Es ist natürlich nicht perfekt – kein Rentensystem ist das. Aber eine Anregung für Deutschland wäre die zweite Säule, die Pensionskasse. Sie gehört zur beruflichen Vorsorge und ist der deutschen Betriebsrente sehr ähnlich, aber sie ist hier (oberhalb eines bestimmten Jahreseinkommens) obligatorisch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die beide in das Pensionskassenkonto des Arbeitnehmers einzahlen (vergleichbar mit den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland). Florian Bürzle auf taz.de
Glaubenssphären
„Tabubrüche schaden dem US-Präsidenten nicht“, wochentaz vom 7.–13. 2. 26
Der Leitartikel unterstellt den MAGA-Menschen, sie würden wissentlich, dass Donald Trump und andere Eliten Kinder missbräuchten, diese gerade deswegen unterstützen.
Dies verkennt die Komplexität der Situation. Einige Menschen jubeln der Gewalt gegen andersdenkende Menschen sicherlich aus tiefstem Menschenhass ohne Herz und Seele zu. Die Mehrheit, so spricht mir mein optimistisches Ich mit dem Glauben an die Menschheit zu, ist jedoch geblendet.
Social-Media-Antidemokratie-Perversion und andere Faktoren treiben viele Menschen in Glaubenssphären, die mit der Realität faktisch nur noch wenig zu tun haben.
Hier ist Trump der Retter, der die Menschheit vor einem diabolischen weltumkrempelnden Plan düsterer Eliten rettet. Alle, die etwas anderes behaupten, sind böse Verleumdungsredner:innen. Wie lässt sich diese Blendung dämmen? Sicherlich nicht, indem wir uns genauso hinstellen, und alle, die Trump unterstützen, als diabolische, zu verachtende Menschen ansehen. Timo Funke, Heidelberg
Realitätsverweigerung
„Politik wird zu sehr von der Stadt her gedacht“, wochentaz vom 31. 1.–6. 2. 26
Nachdem Frau Göring-Eckardt punktuelle räumliche und soziale Mangelwirtschaft eingeräumt und festgestellt hat, „man müsse Verständnis haben für die Leute, die sich abgehängt fühlen“, geht ihr Juli Zehs Verstehenwollen von AfD-wählenden Hinterwäldlern, das nach Motiven und nach Zusammenhängen fragt und dabei sogar deren Verlangen nach mehr Demokratie (!) konstatiert, entschieden zu weit.
Anstatt solch falsches Wahlverhalten zu verteidigen und als Verfassungsrichterin (!) auch noch „mildernde Umstände geltend“ zu machen versucht, „sollte sie sich hinstellen und sagen: Das finde ich nicht gut“, und nicht immer „die anderen die Blöden sein lassen, die diese Menschen nicht verstehen“. Bravo, Frau Göring-Eckardt – besser sind resistente Realitätsverweigerung und ölige Rhetoriklösungen unserer „Eliten“ kaum zu demonstrieren. Jutta Krauß, Creuzburg
Worte neu gedacht
„Wie verhindern wir eine progressive Mehrheit?“, wochentaz vom 24.–30. 1. 26
Der Bedeutungswandel von „progressiv“ und „konservativ“ zeichnet sich schon lange ab. Ich zählte mich beispielsweise früher zum „linken“, „progressiven“ Flügel der Grünen, nunmehr sehe ich mich eher bei den konservativen Kräften.
Soziale Gerechtigkeit und Umverteilung stehen natürlich immer noch auf meiner Agenda, jedoch stets im Einklang mit ökologischen Notwendigkeiten und unserem liberaldemokratischen Rechtssystem. Genau dass wollen die heutigen „progressiven“ Kräften von ganz links und ganz rechts hinwegfegen, mit ihren populistischen Tiraden.
Und da liegt Peter Unfried sehr richtig, nicht Markus Söder, Jens Spahn, Portale wie „Nius“ oder gar die AfD sind konservativ, … sondern zunehmend „die Grünen“ mit Realpolitik und geschärftem ökologischen Profil. Jürgen Schierholz, Bremen
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen