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wortwechselHört auf ständig die KI zu befragen

Bitte an die taz: schreibt eigene Text und lasst das mit der KI. Das Gespräch über Psychoanalyse und auch das mit Juli Zeh beschäftigt weiterhin viele Leser*innen.

„Früher galt Demut als Tugend und Gier als Sünde. Heute ist Gier eine Tugend …“ Foto: Emmanuel Faure/getty images

Fortsetzungskrieg

Als Stalin Finnland schlucken wollte – Bereitschaft zum Widerstand unterschätzt: Zu Putins Propagandamythen gehört, dass Russland alle Kriege gewinnt. Doch schon der sowjetisch-finnische Krieg 1939/40 zeigt: Das stimmt gar nicht“, taz vom 7. 1. 26

Mit hohen Erwartungen las ich die spannende Geschichtskolumne von Irina Scherbakowa. Darin geht es zwar um den „Winterkrieg“. Es fehlt aber jeglicher Hinweis auf den „Fortsetzungskrieg“ (1941–1944), bei dem es Finnland an der Seite des Deutschen Reichs anfangs gelang, die im Winterkrieg an die Sowjetunion verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Dies allerdings nur für kurze Zeit und am Ende mit noch größeren territorialen Verlusten.

Die dafür eingegangene „Waffenbrüderschaft“ mit Nazi-Deutschland ist ein lange verdrängtes Kapitel, dessen Aufarbeitung erst in jüngerer Zeit ernsthaft begonnen hat. Der Anspruch, Europa vor dem sonst angeblich nicht zu stoppenden Expansionsdrang der Sowjetunion zu schützen, wird in der Propagandaschrift „Warum Krieg mit Stalin“ als zentraler Grund für den bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion propagiert. Darauf beruft sich Adolf Hitler im Vorwort: „Deutsche Divisionen […] schützen gemeinsam mit den finnischen Freiheitshelden unter ihrem Marschall den finnischen Boden. […] Die Aufgabe dieser Front ist daher nicht mehr der Schutz einzelner Länder, sondern die Sicherung Europas und damit die Rettung aller.“

Wenn wir wirklich aus der Geschichte lernen wollen, dann gehört dazu, dass „Koste es, was es wolle“ gegen eine Figur wie Stalin mindestens indirekte propagandistische und politische Unterstützung für eine Figur wie Hitler eingeschlossen hat. Krieg und Kriegslogik haben ihre eigene Dynamik.

Heide Richter-Airijoki, Lutherstadt Wittenberg

Vertrauen und Glaube

„Das Unbewusste lernt, sich zu wehren“, Christina von Braun und Tilo Held sind ein Paar. Sie haben zusammen eine Geschichte des Unbewussten geschrieben. Ein Gespräch über Vertrauen, KI-Therapeuten und die Vorteile der Psychoanalyse

wochentaz vom 3. 1. bis 9. 1. 26

Danke, dass Sie mir klar gemacht haben, dass ich in der Vergangenheit die Begriffe Vertrauen und Glaube womöglich irrtümlich verwechselt beziehungsweise synonym verwendet habe.

Großartig das Konzept „Gesellschaft der Gabe“ von Marcel Mauss. Gaben, die zirkulieren, und ein Zusammenhalt, den niemand von oben beherrscht!

Ein so viel schöneres Konzept für die Welt, als die sogenannten Deals, bei denen es nur darum geht, was man anderen abringen kann, mit so wenig Gegenleistung wie irgend möglich und bei denen der jeweils Stärkste den Schwächeren das Fell über die Ohren zieht.

Peter Lehan, Erding

Mitwirkung wichtig

„Das Unbewusste lernt, sich zu wehren“,

wochentaz vom 3. 1. bis 9. 1. 26

Sigmund Freud half in seiner Psychoanalyse den Menschen auf der Couch, in die Tiefe ihrer unbewussten Abgründe zu blicken, ins reale Bewusstsein des Alltags zu heben, dem „Kern“ des eigenen Verhaltens eine andere Richtung – durch ein Therapiekonzept zu ermöglichen. Intelligenz ist keine wesentliche Kategorie zur erkennbaren Lösung, die unbewusste Seite erfolgreich zu mobilisieren. Die fehlende seelische Stabilität erfordert, die „dunkle Seite“ mit der „hellen Taschenlampe“ sichtbar zu machen.

Nur die eigene friedliche „Selbsterkenntnis „mit dem eigenen Selbst“ – ist der Weg zur „Wehrhaftigkeit“, unabhängig vom Geschlecht, Alter oder sozialen Status. Weder die KI – noch Psychopharmaka sind in jedem Einzelfall in der Lage, ein „Problem“ der Persönlichkeitsstörung – ohne unmittelbare Mitwirkung des Patienten/Klienten zu erreichen.

Thomas Bartsch Hauschild Hamburg

Rheinischer Humor

Wo sich einst vier Länder küssten“,

wochentaz vom 3. 1. bis 9. 1. 26

Bernd Müllender berichtete wieder einmal sehr informativ und humorvoll über die Stadt Aachen und ihren Umkreis. Eine Region, die nicht oft in überregionalen Zeitungen erwähnt wird. Aber in der taz. So berichtet er über die einzigartige Stelle, an der sich drei – früher einmal vier – Länder treffen. Das Dreiländereck auf dem Vaalserberg nahe Aachen.

Ich möchte mit einer selbst erlebten Anekdote hierzu beitragen. Als Jugendliche machten wir in den 1960er Jahren per Bus eine Stadtbesichtigung, die uns auch auf den Vaalserberg brachte. Intensiv betrachteten wir die Grenzen der drei Länder. Dann machte uns der Stadtführer darauf aufmerksam, dass wir von hier aus auch drei Meere sehen könnten. Wir sollten nur mal intensiv Ausschau halten. Das taten wir und schüttelten fragend den Kopf. Er lachte und gab uns des Rätsels Lösung: „ Ja, tagsüber sieht man das Häusermeer, abends das Lichtermeer und nachts gar nichts mehr.“

Ein schönes Beispiel des rheinischen Humors. Rita Rosen, Wiesbaden

Keine Alternative

Dein Billigbrötchen killt Fische in der Ostsee: In der Ostsee sterben immer wieder massenhaft Fische, weil verwesende Algen den Sauerstoff rauben. Ein Grund: Düngemittel aus der Landwirtschaft“,

taz.de vom 13. 1. 26

Die Moral endet am Regal, oder am Geldbeutel. Und nun erklären Sie bitte einem Niedriglohnempfänger, wie er/sie Bioware und nachhaltige Erzeugung oder Zucht bezahlen soll.

Man sollte niemandem Vorwürfe machen, der sich Nachhaltigkeit gar nicht leisten kann. Insofern ist die Überschrift „Dein Billigbrötchen killt Fische in der Ostsee“ zwar faktisch richtig, zeigt aber keine JETZT und HIER machbare Alternative auf.

Hans Dampf auf taz.de

Schadet der Umwelt

„Künstliche Intelligenz wird unser Leben produktiver machen, haben sie gesagt. Na, dann probieren wir das doch mal aus. 365 KI-generierte Impulse für ein ausgeglicheneres 2026“,

wochentaz vom 3. 1. bis 9. 1. 26

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie damit aufhören würden, für Ihre Artikel ständig „die KI zu befragen“ (eine ganze KI-generierte Seite im Gesellschaftsteil). Mal abgesehen davon, dass ich für KI-Content kein Zeitungsabo bezahlen müsste, schadet KI-Nutzung der Umwelt und ist urheberrechtlich ein echtes Problem.

Und ehrlich gesagt fand ich den KI-Content in der taz bisher auch nie sehr erhellend. Schreiben Sie doch bitte wieder selbst, das interessiert mich wirklich sehr viel mehr.

Christina Müller

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