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wie geht’s? – muss! #5Krämpfe, Kanzler, Kapital

Ich wache davon auf, dass sich meine Gebärmutter krampfartig zusammenzieht. Es fühlt sich an, als würde jemand mit einem Mixer meinen Unterleib pürieren. Aua! Nur kurz bleibe ich liegen, verfluche meine Endome­tri­ose und quäle mich langsam aus dem Bett. Bloß nicht den Eindruck erwecken, ich wäre faul und würde nichts leisten.

Zusammengekrümmt schlurfe ich in die Küche und mache mir erst mal eine Wärmflasche. Weil ich weiß, dass ich heute noch arbeiten muss, warte ich ausnahmsweise nicht, bis die Schmerzen unerträglich sind, sondern spüle die erste Ibuprofen 600 des Tages direkt mit meinem morgendlichen Kaffee runter. Man gönnt sich ja sonst nichts. Meiner Magenschleimhaut zuliebe würge ich noch einen trockenen Toast hinterher, obwohl mir eigentlich kotzübel ist.

Während ich wie immer auf den allerletzten Drücker meine Menstruationstasse auskoche, überlege ich kurz, mich krank zu melden, und muss unweigerlich an Friedrich Merz und die deutsche Wirtschaft denken. Wenn nun auch noch ernsthaft jemand Menstruationsurlaub fordern würde, ginge es mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland wohl endgültig den Bach runter. Damit ich aber nicht höchstpersönlich dafür verantwortlich bin, verwerfe ich die Idee mit der Krankmeldung schnell wieder. Hat es Fritze also doch geschafft, ärgere ich mich.

Foto: Joel Schmidt

Lenja Vogt, Jahrgang 2002, ist taz lab Redakteurin und studiert in Magdeburg Journalismus mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Soziales.

Bevor meine Laune noch schlechter wird, als sie es ohnehin schon ist, setze ich „vor acht Uhr morgens an Merz denken“ in Gedanken auf meine Not-to-do-Liste. Die zeitliche Einschränkung streiche ich sofort wieder. Ich schaffe es, den Bundeskanzler aus meinem Kopf zu scheuchen, und widme mich wieder meiner Menstruationstasse, die mittlerweile desinfiziert ist. Auch die Schmerztablette fängt endlich an zu wirken. Seufzend stecke ich mir die Wärmflasche in den Hosenbund und mache mich auf den Weg zur Bahn. Muss ja. Lenja Vogt

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