piwik no script img

was alles der wm nicht fehlt

Zieht Euch um! Die Fifa verlangt von Haiti, die Trikots des Nationalteams zu ändern – sie seien zu kriegerisch. Es handelt sich um ein Motiv aus dem haitianischen Unabhängig­keitskrieg gegen Frankreich – für die erste Schwarze Republik der Welt. Der kolumbianische Sportartikel­hersteller Saeta teilte mit, es sei „nicht als politisches Statement“ gedacht sei, sondern „als Hommage an die Männer und Frauen, die jeden Tag für Haitis Zukunft kämpfen“. Von einer Fifa-Forderung, die französische Hymne Marseillaise müsse umgeschrieben werden, weil da gefordert wird, zu marschieren, „bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt“, war bislang noch nichts zu hören.

Gebt mal ab! Auch Papst Leo XIV. hat sich zur WM geäußert: „Fußball erinnert uns an etwas, das wir nicht vergessen dürfen: Das Leben ist kein Wettlauf, um sich allein zu profilieren, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen lernen“, schreibt er auf X. „Wer den Ball nicht passen kann, hat das Spiel noch nicht verstanden, auch wenn er Talent hat“, so der Post weiter. „Und wer nicht mit anderen und für andere leben kann, hat das Leben noch nicht verstanden.“ Leo stand selbst in jungen Jahren als Verteidiger auf dem Platz.

Macht euch kleiner! Berti Vogts, Ex-Bundestrainer, findet ein derart großes WM-Turnier mit 48 Teilnehmerländern falsch. Vogts plädiert für eine 24 Teams umfassende WM. Anders kritisch äußert sich Ex-SC-Freiburg-Trainer Christian Streich. Er greift Fifa-Präsident Gianni Infantino für dessen Umgang mit US-Präsident Donald Trump an: „Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht.“ Zur großen Zahl der Teilnehmer bei dieser WM sagt Streich: „Wir können als große Fußballnation, die sich bisher immer für die WM qualifiziert hat, nicht den Anspruch ableiten, nur mit 16 oder 24 spielen zu wollen. Das wäre Herrschaftsdenken der Mächtigen.“

Passt besser auf! Mit etlichen Regeländerungen verlangt die Fifa bei dieser WM mehr von ihren Schiedsrichtern. Um die Nettospielzeit zu erhöhen. So soll der Schiedsrichter auch bei Abstößen und Einwürfen einen Countdown bis zu 5 Sekunden machen, nicht nur, wie bislang, wenn der Torhüter den Ball hält. Bei Trödelei bei Auswechslungen droht Teams, dass sie eine Minute in Unterzahl weiterspielen müssen. Neu sind ebenfalls die Trinkpausen, die es wetterunabhängig nach 22 und 67 Minuten geben wird. Neu auch dies: Spieler, die in einer Konfrontation beim Sprechen ihre Hand vor den Mund halten, können Rot sehen. Damit soll ein mögliches diskriminierendes Verhalten verhindert werden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen