taz.berlin-Adventskalender 23: Wenn die Welt untergeht

Im taz.berlin-Adventskalender präsentieren wir in diesem Jahr passend zum Winter-Shutdown viele schöne Spiele. Heute: Atlantis.

Atlantis, das Brettspiel ist eine Form der Überlebenshilfe Foto: Rob Tol/Unsplash

Die Infektionszahlen steigen weiter, gefährliche Gen-Mutation in England aufgetaucht, Krankenhäuser an oder über der Belastungsgrenze – nee, also, da kann man schon in Weltuntergangsstimmung verfallen so kurz vor Heiligabend, und der Winter ist noch lang. Da wir in dieser Rubrik hier die schlechten Gefühle aber einfach wegspielen, sei passenderweise der Spieleklassiker Atlantis vorgestellt. Den gibt es unverständlicherweise nur noch antiquarisch – die neueste Version ist von 1996, das Original aus den Achtzigern.

Das Spielfeld ist ein Pappmeer, aus dem sich als Plastebrocken die Insel Atlantis erhebt. Darauf werden zu Beginn je 12 Spielfiguren pro Mitspieler:in strategisch platziert. Entweder möglichst nah am Strand, von wo die Schiffe abfahren. Oder tief im Inselinneren, im Palast der Atlantis-Elite. In letzterem lässt es sich zwar am längsten überleben, aber angesichts der nahenden Naturgewalt nützt auch Exklusivität nichts. Die Flut kennt kein arm und reich.

Und dann geht es auch schon los: In jedem Spielzug darf der Spieler drei Schritte mit den Angehörigen seiner Sippe machen, rauf aufs Schiff zum Beispiel und ab ins offene Meer. Dann noch eins der Inselteile abtragen, unter deren Unterseite sich das nächste Unheil verkündet: Ein Strudel zum Beispiel reißt gleich noch die umliegende Landmasse in die Tiefe. Alle Menschen, die darauf standen, landen im Meer. Außerdem tauchen Seeungeheuer, Kraken und Haie auf, die wahlweise nur ein Schiff zerstören oder kreuzende Schwimmer auffressen oder gleich beides ausmerzen. Die, die im offenen Meer schwimmen, können sich mit etwas Glück an den Hals eines Delfins hängen, die gibt es auch noch. Es ist nicht alles schlecht. Wer allen Widrigkeiten zum Trotz die meisten seiner Sippe ans Ufer einer der vier rettenden Koralleninseln verbringt, der hat gewonnen. Leicht ist das, je nach Agressivität der Mitspieler:innen, Kraken, Seeungeheuer und Haie, nicht. Eine Überlebensrate von gerade mal 10 bis 20 Prozent: nicht ungewöhnlich.

Laut der Überlebens-Handbuch genannten Spielanleitung rettet ja jeder nur die seinen – blau, rot, orange oder gelb. Das Spiel lässt sich aber zur Abwechslung auch kooperativ spielen, zusammenhalten gegen die schicksalhafte Natur. Dann sieht es mit der Überlebensrate auch gleich viel besser aus.

Erforderlich: 2-4 Spieler:innen, ein guter Deal im An- und Verkauf

Zielgruppe: Familien

Wer das spielt, spielt auch: Siedler, Carcassonne und so

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