taz🐾sachen: Vibratoroder Vibrato?
Die Frage „Hast du das denn nicht gesehen?“ hört kein Korrektor gern. Die Frage des Korrektors: „Soll das so?“ aber auch nicht jede Redakteurin. Die Antwort ist ja auch oft klar.
Also gut, das „soll so“: taz café statt Taz-Café; E.ON statt wie zuvor Eon; „die Geflüchteten“ so substantiviert, wie es „die Behinderten“ schon lange nicht mehr sein dürfen; und selbst was als Personen-Endung an Asyl… seit Jahrzehnten nie, nie dran darf, feiert hinter Migr… fröhliche Urständ.
Apropos fröhliche Urständ: In einer Reportage las der Korrektor von Menschen, die in einem schönen Land „fröhlich Urzustände feiern“. Wäre das, so ins gedruckte Blatt gelassen, nicht viel archaischer und freizügiger gewesen als die österliche Urständ (Auferstehung)?
Eigentlich schade drum, aber das „sollte“ sicher nicht „so“.
Was natürlich nicht „so soll“, sind die Verschreiber. Da fragt man doch nicht extra nach! Neulich war es doch ganz bestimmt so was: ein falsch geschriebener „brummender Vibratorton“, der „kirre macht“. Der Korrektor hatte schon angesetzt, das abzuändern, dann aber doch tapfer die Kollegin gefragt, ob auch sie meine, dass da ein r fehle. Die hat zum Glück noch mal gegoogelt und das sehr wohl richtige Wort „Vibrato“ – das wir beide nicht kannten – gefunden.
Gefährlich auch eine Korrektur, wenn der Fehler ganz woanders liegt. Vergangene Woche etwa: „Lichtenstein“ in einem Sporttext, schon wieder so ein häufiger Fehler, zack, in „Liechtenstein“ korrigiert. Pech nur: Es war Luxemburg gemeint!
Matthias Fink
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