taz🐾lage: Ein insektakulärer Besuch
Die taz verkauft zwar Insektenhotels, betreibt aber leider selbst keines. Eine Gottesanbeterin, die am Montagmorgen an der Tür um Einlass bat, mussten wir deshalb abweisen. Statt eines trockenen Plätzchens in der Redaktion bekam sie einen Strauch in der Nähe der Fahrradständer zugewiesen. Besonders gastfreundlich war das nicht: Draußen regnete es ekelhaft große Tropfen.
Und wer weiß: Vielleicht wollte sie nur einen Weg in den Journalismus finden. Oder uns auf ein Thema hinweisen, das wir (uns fehlen die schönen, herausstehenden Facettenauge) bisher übersehen haben. Haben wir ihr unrecht getan? Vermutlich.
Andererseits: Wer wären wir, ein Insekt ins Büro, womöglich an einen Schreibtisch oder gar in die Lohnarbeit zu zwingen? Draußen ist die Gottesanbeterin ohnehin besser aufgehoben – selbst in Berlin. Dort ist sie zwar normalerweise seltener anzutreffen, in diesem Jahr aber auffällig häufig. Bis vor wenigen Jahren kamen Gottesanbeterinnen vor allem im äußersten Süden Deutschlands vor. Inzwischen sind sie auch entlang des Rheins und „von Thüringen bis zur Lausitz“ verbreitet, wie der Nabu schreibt.
Der hat seit Anfang Juli deutschlandweit sogar über 26.000 Meldungen über Gottesanbeterinnen (nicht von!) erhalten. Das sei dreimal so viel wie im Vorjahr. War die taz-Gottesanbeterin nur eine von vielen? Ja, natürlich, wie wir alle. Und doch war sie besonders (wie wir alle), etwa weil sie nicht knallgrün, sondern blassgelb daherkam. Bietet sich auch an, wenn man sich mal so ansieht, wie wir unseren Wiesen per Klimawandel die Farbe rauben. In Braun oder Gelb lässt es sich viel besser tarnen. (jdo)
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen