taz🐾lage: Offen gesagt
Es kommt einem kaum noch in den Kopf, dieses tückische kleine Virus, das vor gar nicht so langer Zeit die ganze Welt halb lahmgelegt hat. In manchen Situationen fällt es einem aber wieder ein.
Zum Beispiel in Redaktionskonferenzen: Dass so gut wie jede Konferenz in so gut wie jedem Medienhaus im Regelfall „hybrid“, also halb in echt und halb per Videoschalte ausgerichtet wird, darf als postpandemischer Effekt bezeichnet werden.
„Hört ihr mich?“, „Seht ihr das?“ sind nun Fragen, die in einer durchschnittlichen Zusammenkunft dieser Art häufiger gestellt werden als sagen wir mal „Stimmt das?“ oder „Spinnst du?“. Jahrelang in Schule und Studium eingeübte Techniken der verdeckten Kommunikation greifen außerdem nicht mehr, weil ein Mikrofon ungünstig positioniert oder der berühmte „Stumm“-Knopf nicht gedrückt wurde.
Das musste auch ein nicht näher benannter Mitarbeiter eines nicht näher benannten Ressorts der taz am Donnerstagfrüh erfahren, als er einer Kollegin in knappen, womöglich unvollständigen, unter Umständen sogar frech-verkürzten Worten erklären wollte, wo der Kollege aus Oldenburg, der gerade spricht, politisch zu verorten sei. Durch die präzisen Tischmikrofone gelangten die vertraulich gemurmelten Vokabeln in die Kopfhörer der Heimarbeitenden. Der Fauxpas wurde prompt angesprochen. Wer was wie verstanden hat, blieb aber unklar.
Glück gehabt, Kollege. Nicht auszudenken, wenn eine mutmaßlich despektierliche Äußerung unbedarft an die Heimarbeitsplätze gefunkt worden und da sogar verstanden worden wäre. Ein „Spinnst du?“ wäre das Mindeste gewesen. knw
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