taz🐾lage: Reportage über 24-Stunden-Pflege mit deutsch-tschechischem Preis ausgezeichnet
Viele Unrechtssysteme funktionieren gerade deshalb so gut, weil kaum jemand wirklich hinsehen will. Das gilt auch für die sogenannte 24-Stunden-Pflege. Frauen – meist aus Osteuropa – leben Wochen und Monate in deutschen Haushalten, kochen, putzen, pflegen, trösten, und all das häufig ohne Pausen, klare Verträge, ohne den Schutz, den unser Arbeitsrecht ihnen eigentlich garantieren soll.
Unsere Kollegin Leonie Gubela hat diese Realität sichtbar gemacht. Ihre Reportage „Wer hilft ihnen?“, die Anfang des Jahres in der wochentaz erschienen ist, erzählt diese Missstände nicht abstrakt, sondern folgt den Lebensgeschichten der Betroffenen. Sie hört zu, fragt nach und zeigt auf diese Weise, auf welcher prekären Grundlage unser Pflegesystem aufbaut. Der Text stellt auch die Frage, wer hier eigentlich wen pflegt: die Betreuerinnen ihre Arbeitgeber – oder ein Land die eigene Bequemlichkeit?
Für diese Recherche ist Leonie Gubela jetzt mit dem Deutsch-tschechischen Journalistenpreis ausgezeichnet worden. Die Jury hebt insbesondere hervor, wie präzise der Text die strukturellen Probleme benennt, ohne die Menschen dahinter aus dem Blick zu verlieren. Dass eine solche Anerkennung ausgerechnet für eine Recherche über Care-Arbeit vergeben wird, ist kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, dass journalistische Aufmerksamkeit genau dort gebraucht wird, wo Abhängigkeiten am größten sind. Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Und wir freuen uns für Leonie Gubela, deren Arbeit beispielhaft zeigt: Eine gute Reportage will nicht nur berichten. Sie will auch wirklich verstehen. Lin Hierse, Matthias Kalle
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