taz🐾lage: Smarte Versprechen
Wir kommen uns hier in der Redaktion ja meistens ganz schön schlau vor, ist vielleicht auch so eine Art Berufskrankheit: Schließlich ist es irgendwie unser Job, die Welt zu erklären, oder zumindest aber, unterwegs beim Rechercheversuch dahin zu scheitern. Angemessen smart soll nun auch die Technik sein, die seit einigen Wochen zunehmend das werktägliche E-Paper layoutet, das Sie inzwischen ganz papierbefreit genießen. Ohne zu sehr in die technischen Details zu gehen, das intelligente Versprechen ist folgendes: Schnelleres Produzieren und Redigieren der Texte, damit man länger Zeit hat, was Kluges zu denken. Oder so.
Nun ja. Die Redakteurin dieser Zeilen denkt nach ihrer ersten smarten Arbeitswoche folgendes: Noch hat sich, bei aller Bescheidenheit, die menschliche Intelligenz in all ihrer Smartheit noch nicht selbst abgeschafft. Die künstliche Intelligenz schritt also beherzt zu Werke, machte passend, was nicht passend gemacht werden konnte, und ging dabei mit einer beneidenswerten Kühle zu Werke, gegen die menschlicher Pragmatismus im Angesicht des Redaktionsschlusses gar nichts ist: Fix schmiss die KI ein mit Bedacht ausgesuchtes Bild einfach wieder raus aus der Reportage, weil der Text eben zu lang war. Leider kommunizierte die KI das nicht, oder vielleicht haben wir sie auch nicht verstanden. Die Fotokollegin war angesichts des Ergebnisses tapfer und hat gerade so nicht geweint.
Die künstliche Intelligenz weiß auch nicht, dass zu lange Zitate blöd aussehen, und man manchmal vielleicht lieber die Überschrift kürzer gemacht hätte als die Anteaserung in der Unterzeile. Das werden wir der KI schon noch beibringen. Wir sind ja nicht blöd. (akl)
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