piwik no script img

szenenIna lässt das Plastik knacken

Unsere Schnecke heißt Ina. Eines Tages saß sie bei J. auf der Hand. Seitdem wohnt Ina bei uns in der Küche, in einem durchsichtigen Plastikeimer, in dem wir bei Edeka 500 Gramm Blaubeeren gekauft hatten. In den Eimer legen wir Salatblätter und Gurkenscheiben.

An die Unterseiten des Salats heftet Ina sich gern. Manchmal kleben schwarze Häufchen innen an der Plastikwand. Dann freuen wir uns, weil es darauf hindeutet, dass Ina gefressen hat. Besonders gern mag sie Mini-Pak-Choi.

Im Deckel des Plastikeimers gibt es vier bohnenförmige Öffnungen. Sie werden von Ina regelmäßig inspiziert. Sie gleitet dann an der Innenwand hoch und kriecht an der Innenseite des Deckels kopfüber von Öffnung zu Öffnung.

Mit ihrem Körper passt sie durch die Öffnungen hindurch, ihr Kopf und ihre Fühler strecken sich in die Küche hinein. Aber ihr Haus passt nicht hindurch, sosehr sie sich auch windet. Sie strengt sich wirklich an.

Manchmal hört man das Plastik leise knacken. Nach einer Weile zieht sich Ina wieder zurück und probiert es an einer anderen Öffnung, an der es aber auch wieder nicht funktioniert. Sie probiert es tapfer jedesmal wieder.

Wir hatten geglaubt, wir hätten Ina nur ein paar Wochen lang bei uns. Inzwischen haben wir gegoogelt. Schnirkelschnecken wie Ina können ohne weiteres fünf Jahre alt werden. Als wir in den Sommerferien und über Weihnachten verreist waren, mussten wir Ina in Pflege geben.

Einmal hat die pflegende Person vergessen, den Plastikeimer zu verschließen. Ina war entkommen. Schließlich wurde sie auf dem Schrank im Wohnzimmer wiedergefunden. Seitdem wissen wir, dass Schnecken erstaunlich weit kriechen können. Nachdem sie wieder eingefangen worden war, hat Ina sich für ein paar Tage an die Unterseite eines Salatblattes geklebt und in ihr Haus zurückgezogen Dirk Knipphals

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen