szene:
Es donnert durchs gesamte Treppenhaus, als ich die Wohnungstür hinter mir zuschlage. Berlin hat mir seit dem Morgen keine Ruhe gelassen, immer war irgendwas, sodass ich nicht mehr als eine Banane gegessen habe. Jetzt wütet und brüllt der Hunger in mir wie Godzilla und so koche ich auch, nachdem ich eine Schneise der Verwüstung, bestehend aus Klamotten, bis in die Küche gezogen habe.
Nudeln! Nur noch Nudeln. Mit Pesto aus dem Glas direkt im Topf. Damit sinke ich schließlich in die Couch und lasse schon die Anspannung los, als ich es tröpfeln höre. Ein Blick aus dem Fenster – strahlender Sonnenschein. Seltsam. Ich stochere ungeduldig im Topf, bis die Gabel mit einem dicken Nudelklumpen beladen ist, und als ich sie zum Munde führen will, schaue ich in die Küche.
Ein Regentropfen fällt schüchtern auf eine Fliese, ein zweiter hinterher und dann – Wolkenbruch. Mit offenem Mund starre ich auf den Regen in meiner Küche, frage mich zwei, drei Sekunden lang ernsthaft, ob ich träume. Aber dann kommt die Vernunft zurück und die Entspannung verpufft binnen Sekunden. Ich steche wütend die Gabel in die Nudeln, stelle den Topf ab und stampfe aus der Wohnung die Treppe hoch.
Der Nachbar versteht nicht mal, was ich sage. Seine Augen glotzen mich aus diversen Rauschuniversen heraus an und er gestikuliert, ich möge doch eintreten. Das tue ich und laufe wie durch eine verdrogte Parallelweltversion meiner eigenen Wohnung direkt in die Küche. Dort schießt der Hahn zischend Wasser in die verstopfte Spüle und während ich ihn zudrehe, saugen sich meine Socken mit Wasser voll. Der Nachbar nuschelt beschwichtigend, aber ich sage nur „Ja, ja, ja, kein Ding“ und patsche mit nassen Socken in meine Wohnung zurück. Dort stelle ich Eimer auf, lege Handtücher aus und esse endlich meine mittlerweile bitterkalten Billignudeln.
Maik Gerecke
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