szene:
Die Nachbarskinder haben inzwischen die Kita gegen die Schule, Jukebox und Schlagzeug gegen den Tischkicker und den Gokart gegen Flitzefahrräder eingetauscht. Das ging schnell.
Auf dem Flohmarkt kauften wir am Samstag eine kleine Spielzeugschlange. Natürlich eine Giftschlange, und nachdem sie zu Hause dann lange genug geärgert worden war, biss sie „im Spiel“ den Zweitklässler. Aufschreie, die Kinder gucken mich zugleich lachend und situationsgerecht schmerzverzerrt an, und ich sage: Uh, das war eine Bothrops asper! Wir müssen das Gift neutralisieren. Schnell, das Gegenserum! Der Drittklässler greift zu seinem Walkie-Talkie, aktiviert die Sirene. Und reicht mir, dem Spielarzt, schließlich das Gegenserum in Form eines Lavendelsprühfläschchens. Damit behandeln wir die Bissstelle. Sicherheitshalber sage ich den beiden noch, dass das Serum im „echten Leben“ direkt in die Blutbahn gehöre. Das kriegen sie im Getöse nicht mit, aber das Mittel scheint sofort zu wirken: Der Gebissene ist ruckizucki genesen. Er schnappt sich die Schlange und rückt damit jetzt mir auf die Pelle. Toll, eine Micrurus corallinus! Rot geringelt, staune ich, und will nach ihr greifen. Die Schlangennamen habe ich gelernt, da eine Freundin einen Urlaub auf dem Land, genauer: in Mexiko, plante, und sich – und mich – im Vorfeld mit Gifttieren beschäftigte. Und, zack!, hat die Schlange mich und noch dazu den Drittklässler gebissen. Wir winden uns vor imaginierten Schmerzen und rufen: Schnell, das Gegeng… Der Zweitklässler vervollständigt hell auflachend unseren Hilferuf, quietscht: den Gegensirup! Den Gegensirup!
Und verabreicht uns beiden einen Sprühstoß wohlriechendes Lavendelantiserum.
Später erzähle ich der mexikoaffinen Freundin davon. Sie hat den Urlaub leider nicht antreten können. Mein Bericht – bisschen Gegengift gegen ihren Mexiko-Blues. Felix Primus
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