szene: Vor Schreck aufs Eis gelegt
Mein Verhältnis zum Eis ist ein sehr gespaltenes. Einerseits habe ich totale Panik, auf dem See einzubrechen, andererseits gibt es nichts Schöneres, als auf den Seen in Brandenburg Schlittschuh zu laufen. Immer mit der Angst, gleich das verräterische Knacken zu hören oder einfach so zu stürzen und dann auch was knacken zu hören. Also Angst vorm Hinfallen habe ich auch.
Die Angst übertrage ich auf meine Lieben. Wir fahren also zu viert mit leichtem Hockeyschläger (damit man sich über Wasser halten kann) und Abschleppseil (zum Helfen) über den See. Es ist wahnsinnig schön, viele Leute spazieren einfach nur auf der zugeschneiten Fläche, die Sonne scheint, alle wirken glücklich, manche sitzen auf ihren Schlitten und machen Picknick. Vereinzelte Angler versuchen sich auch an ihrem Glück vor dem Eisloch.
A. ist ein Stückchen entfernt in der Nähe des Ufers am Gleiten. Plötzlich ein Knacken. A. hält an, dreht um und hinter ihm fällt ein 20 Meter hoher Baum auf die Eisfläche. Für einen kurzen Augenblick friert alles ein. Alle Augen richten sich auf meinen Mann, der sich vor Schreck aufs Eis gelegt hat und das schwarze Ungetüm auf der weißen Eisfläche kurz hinter ihm.
Dann kommen die Neugierigen näher, man tauscht sich aus über das Glück und wie knapp alles war und bestaunt das Loch am Ufer, aus dem die Wurzeln herausgebrochen sind. Der Baum selbst hat nur wenig die Eisfläche durchbrochen.
„Schon komisch, sich vorzustellen, dass wir jetzt hier nur zu dritt wären, statt zu viert“, sagt der Sohn auf dem Weg zum Auto. „Aber dann wäre hier eh alles anders, voller Polizei- und Krankenwagen“, antworte ich und wundere mich über die Gelassenheit unserer Worte.
Das Kopfkino verfolgt uns aber hartnäckig die nächsten Tage. Elke Eckert
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