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szeneFilme gucken wie ein Profi

Sonntag, 12.30 Uhr. Ich sitze mit Hannah in einer Matineevorstellung im Film­theater Friedrichshain. Noch läuft Werbung. Hannah hat seit einem Jahr ein Kinoabo und nutzt das intensiv. Wenn man sie treffen will, verabredet man sich am besten mit ihr für einen Film.

„Wie oft gehst du denn ins Kino?“, frage ich.

„Drei Mal die Woche auf jeden Fall. Manchmal öfter.“

Sie zieht ein Tuch aus ihrer Tasche. Mit einer kompliziert aussehenden Wickel- und Falttechnik formt sie daraus eine Art luftige Wurst und besprüht sie mit einem Zerstäuber. Es riecht nach Lavendel. Mit ein paar Verrenkungen schiebt sie sich die duftende Tuchwurst hinten unter ihren Pullover. Sie sieht jetzt aus wie Quasimodo. Ich sehe sie fragend an.

„Ähnlich wie beim Fußballspielen unter Profibedingungen kommt es auch beim Filmgucken unter Profibedingungen zu Verschleißerscheinungen“, erklärt sie mir. „Vor allem der Rücken und der Nacken sind neuralgische Punkte. Zuerst habe ich es mit einem Reisekissen versucht. Das führte aber nur zu weiteren Verspannungen. Also habe ich ein wenig herumexperimentiert.“ Sie deutet auf die Wurst. „Entspannt und stabilisiert zugleich.“

„Aha.“ „Augentropfen habe ich auch dabei. Die benutze ich aber nur, wenn ich mehrere Vorstellungen an einem Tag sehe.“ Trockene Augen bei zu viel Screen Time. Klingt einleuchtend.

Sie deutet auf die Popcorntüte in meinem Schoß. „Lecker, aber auf Dauer ungesund. Gute Ernährung ist wichtig, sonst macht der Körper schlapp. Zumindest auf dem Niveau, auf dem ich Filme schaue. Da ist man ruckzuck Kinoinvalidin.“ Sie holt eine Banane, einen Apfel und eine Flasche stilles Wasser aus ihrer Zaubertasche und legt alles auf die Armlehne zwischen uns. „Separates the pro from the rookie.“ Sie grinst.

Ich will etwas erwidern, aber da beginnt der Film.

Daniel Klaus

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