nachruf: Gegen den Strom
Wer in Deutschland seinesgleichen suchte, der würde ihn nicht finden. Indro Montanelli war Italiens hervorragender Journalist, Kolumnist, Publizist und Zeitzeuge. Und wird nun, mit zweiundneunzig Jahren verstorben, in Italien von Freund und Feind gleichermaßen betrauert.
Vor allem Feinde hatte Montanelli zeitlebens mehr als genug. Einer seiner ersten Aufträge führte ihn als Kriegsberichterstatter in den Spanischen Bürgerkrieg, wo er sich – damals selbst überzeugter Faschist – despektierlich über die Leistungen der für Franco fechtenden Truppen Mussolinis äußerte: Sie hätten „in erster Linie einen Feind bekämpft, die Hitze“. Dem Todesurteil wegen Defätismus entkam er durch Flucht nach Estland, schrieb aber bald wieder als Korrespondent für den Corriere della Serra. „Controcorrente“, gegen den Strom, nannte er seine Kolumnen auf der ersten Seite, „bürgerlich“ nannte er sich selbst. Mit populären Abhandlungen zur italienischen Geschichte macht er sich bei einem breiten Publikum einen Namen. Und weiterhin als Kriegsberichterstatter, von Stalins Invasion in Finnland bis zur Besetzung von Budapest durch die sowjetische Armee 1956. In den Siebzigern gründete Montanelli die Zeitung Il Giornale – und verließ das Blatt, als der Bruder des Besitzers, Silvio Berlusconi, gegen seinen Rat 1994 in die Politik wechselte. Die Rechte mache ihm inzwsichen Angst, so sein Urteil. Selbst seinen Nachruf im Corriere verfasste er noch eigenhändig: „Mittwoch, 18. Juli, 1.40 Uhr am Morgen. An das Ende eines langen und bewegten Lebens gekommen, nimmt Indro Montanelli, Journalist, Fucecchio 1909 – Mailand 2001, Abschied von seinen Lesern, bei denen er sich für die Zuneigung bedankt und für die Treue, mit der sie ihn begleitet haben“. FRA
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