momentaufnahmen: Wenn ein Baum krachend schlapp macht
Wie ein Altglascontainer, der mit markerschütterndem Seufzer in unseren Schöneberger Hinterhof gekippt wird. Das Geräusch ließ uns zum Fenster stürzten. Statt der gelbgrün gefiederten Zweige unserer Esche glotzten uns weiße Wände an. Der Baum war verdurstet. Am Ende reichte ein Windhauch, um den staubtrockenen Stamm einfach umzulegen.
Fünf Fenster nahm er im Fall mit, ein Rad und eine Mülltonne. Die ältere Dame aus dem zweiten Stock stand fassungslos in den Scherben. Sie warte jetzt auf die Feuerwehr, murmelte sie immer wieder. „Machen Sie Fotos für die Versicherung“, rief ich über den Hof. Da telefonierte der bärtige Vater aus dem Vierten längst mit einem Notdienst. Die Girls aus der WG im Dritten filmten, stumm und ungerührt.
Berlin-Schöneberg
125.800 Einwohner*innen.
Sehr schöne Baumperspektiven in dem Ortsteil hat man vor allem im April und Mai, wenn in den wirklich stilvollen Ceciliengärten die japanischen Kirschbäume rosafarben blühen.
Ich habe die Esche nicht sehr geschätzt. Ihre Blüten stanken und verklebten die Fahrradsattel, die Wurzeln brachen den Asphalt auf. Jetzt bin ich traurig, dass unser Hof so nackt und unbelebt ist. Nur das Hausrotschwanzpärchen freut sich, weil die Elstern weg sind. Im Totholz hört man nur noch sie zwitschern. Hoffentlich werden die Baumreste erst abgeholt, wenn der Nachwuchs geschlüpft ist. Sunny Riedel
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