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momentaufnahmenWenn Brücken trennen, nicht verbinden

Brücken verbinden. Eigentlich. Die Geranienbrücke in Rotenburg (Wümme) aber trennt ausgerechnet am Geburtstag des Grundgesetzes zwei Welten. Auf der einen Seite: Regenbogenfahnen, Musik, Kaffee und siebzig Menschen mit dem festen Willen, zu widersprechen. Die Omas gegen rechts singen, ein verirrter mittelalterlicher Leierkastenmann gibt der Szene eine surrealistische Note.

Das landkreisweite Bündnis Aufstehen gegen Rassismus will den Blauen auf der anderen Seite nicht die Straße überlassen. Das AfD-Narrativ, die Gegendemo werde vom Staat bezahlt, kommentiert einer trocken: „Aufgepasst – gleich gibt’s Demogeld!“ Lacher. Aber dahinter Besorgnis: Erstmals hat hier die AfD zur Kommunalwahl 30 Kandidaten auf der Liste.

Rotenburg (Wümme)

23.100 Ein­wohner*innen.

Die niedersächsische Stadt fühlt sich über Patenschaften verbunden mit Rothenburg ob der Tauber, Rotenburg an der Fulda, Rothenburg/Oberlausitz, Rothenburg (Saale), Rothenburg in der Schweiz und Czerwieńsk in Polen, auf Deutsch das Rothenburg an der Oder.

Auf der anderen Seite: ein blauer Pavillon, Flyer, „Deutsche Mark“-Münzen, ein Dutzend „Blauer“. Passanten beschleunigen ihre Schritte. Ein Radler ruft im Vorbeifahren: „Nee, das will ich nicht geschenkt.“ Der große Mann mit Camouflage-Anglerhut – ein geschulter ­AfDler, heißt es – knurrt: „Keine Presse.“ Ein Polizeiwagen hält die Mitte. Nicht über jeden Abgrund führt eine Brücke. Daniela Barth