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momentaufnahmenWenn sich am frühen Morgen die Erde auftut

Guck, der Müllwagen hat einen Platten!“, heißt es am frühen Morgen und wie immer, wenn hier mal was passiert, strömen die Schaulustigen herbei. Na ja, also drei sind es. Schaulustige. Aber sie machen genug Bohai für einen ausgewachsenen Menschenauflauf, weil es bei näherer Betrachtung doch um mehr geht, als um ein bisschen geplatztes Gummi.

Erst mal aber sieht es nach Reifenpanne aus. Der Wagen hängt etwas windschief im Bild, Felgen und Stoßstange ruhen auf Höhe der Fahrbahn. Es hat auch ganz schön heftig geknallt. Man fachsimpelt schon, wie der zum Glück noch kaum beladene Müllwagen hochzubocken sei – und von wem – bis man merkt: Der Reifen ist noch heil. Es war die Straße, die unter ihm nachgab, in der sich ein beachtliches Loch auftat, in dem der Karren nun steckt.

Syke

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wohner*innen. Spricht sich Sieke, nicht Syke, und zieht seine relative Größe aus 13 „Ortsteilen“, die Ortsfremde (völlig zu Recht) für jeweils einzelne, abgelegene Dörfer halten. Wenn sich bei Syke „die Erde auftut“ liegt es üblicherweise am Fracking in der Nachbarschaft. Diesmal aber wohl nicht.

Zu gucken gibt es hier wirklich was: Obwohl voller Schutt, ist das Loch weit größer als der Reifen. Links und recht der Öffnung erstreckt sich ein Hohlraum unter der Erde. Schnell ist eine Absperrung gebaut, mit roter Leuchte drauf. Ein paar Fotos werden gemacht und dann sind alle wieder verschwunden. Nur das Loch nicht, das gähnende. Jan-Paul Koopmann

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