mitten in brandenburg: Der Erschöpfung widerstehen
So hörten wir es beim zweiten Panter Forum in Chemnitz: Die Lage sei deprimierend, außerdem habe man gekämpft und um Einfluss gerungen – manche, keineswegs besonders progressive, aber aufrichtige Menschen haben sogar linksextremistische Gangs gut gefunden, schützende Initiativen, weil es ja keine Polizeien gab, die „Ausländer“ und „Ausländerinnen“, Queers oder einfach Schwächere zu schützen wussten. Die rechten Banden, Schlägertrupps und Nazi-Hass-Ultras, Stichwort: Baseballschlägerjahre, hatten die Gebiete, die bis 1990 die DDR waren, wie ein weites Feld unter sich, furchtstiftend. Sagte eine, die ihren Namen nicht genannt wissen will, aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge.
Weiter erwähnt sie: Wir sind motiviert, klar, doch es fehlt immer öfter an Kraft – und jetzt drohen rechte Parteien, die AfD zuallererst, unsere Arbeit finanziell auszutrocknen. Staatlich geförderte Projekte, die seien bedroht, das mache Angst, das bewirke tiefe Verunsicherung. Eine Freundin von ihr, ebenso im „Weltecho“ dabei, aus Zwickau gekommen, ergänzt: Sagt in Berlin, dass unserer Landschaften und Städte wieder schön geworden sind, dass, vor allem, die Menschen, die dort leben, keine Nazis sind.
Erschöpfung jedenfalls ist im Spiel, doch Sisyphus hat auch nicht auf der Hälfte des Berges mit dem Emporwuchten des Steines aufgehört, seine/ihre Arbeit endet nie, weil die Arbeit am Projekt demokratischen Miteinanders ohne Hass eine unendliche ist, hier und jetzt, immer.
Foto: Foto: privat
Jan Feddersen, Jahrgang 1957, ist Redakteur für besondere Aufgaben und Kurator des taz lab und taz Talk sowie der taz Panter Foren.
Denn lohnt es denn nicht? Mögen auch im Durchschnitt knapp ein Drittel rechte Parteien wählen – gut zwei Drittel tun es eben nicht. Das zu wissen, macht den Stress des Engagements nicht geringer, doch es hilft zu wissen: Es wird seinen Lohn tragen, weiter am Werk zu arbeiten – aufzustehen aus Ruinen. Wie denn auch sonst? Jan Feddersen
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen