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meinungsstark

Persönlichkeitsentfaltung

Kann man Glück lernen?“,

wochentaz vom 23.–29. 5. 26

Dass Kritik aus der Religionspädagogik kommt, verwundert nicht, sind doch Theologen oft schnell mit Antworten bei der Hand auf Fragen, die nicht gestellt wurden. Glück und Wohlbefinden – schaut man in die Geschichte der Kirchen – wurden theologisch allzu oft mit dem Jenseits (Paradies, Reich Gottes) und mit „Belohnen und Bestrafen“ verbunden. Eine Haltung offenbart sich, die sich auch in anderen gesellschaftlichen Hierarchien zeigt.„Schulfach Glück, Lernziel Wohlbefinden“ setzt hingegen auf die Persönlichkeitsentfaltung der Schü­le­r*in­nen – wie es übrigens in den meisten Schulgesetzen steht. Es geht nicht um ein Schulfach mit starrem Lehrplan, sondern um die Zeit, in der Kinder sich mit sich selbst beschäftigen, sich selbst besser kennen lernen können. Ihre Gefühle und Gedanken stehen im Mittelpunkt, und wie sie damit umgehen können. Das ist schon ab der 1.Klasse möglich und der Beginn des lebenslangen Lernens. Es ist erwiesen, dass diese Erfahrung das Erwachsensein prägt.

Werner Huffer-Kilian, Koblenz

Ungleichgewicht

So viel Welt“, taz vom 22. 5. 26

Pfingsten ist nicht nur ein christliches Hochfest, sondern auch Teil der kulturellen und historischen Identität Deutschlands. Unsere Gesellschaft ist über Jahrhunderte christlich-abendländisch geprägt worden – unabhängig davon, wie religiös man persönlich ist. Umso auffälliger war es, dass die diesjährigen Pfingstfeiertage von den höchsten Repräsentanten des Staates öffentlich kaum wahrnehmbar gewürdigt wurden. Keine Grußbotschaften, keine TV-Ansprache, keine sichtbaren Zeichen, kaum öffentliche Bezugnahmen auf die Bedeutung dieses Feiertags. Gleichzeitig werden andere religiöse Anlässe – etwa Ramadan und Fastenbrechen – regelmäßig öffentlich begleitet und politisch sichtbar gewürdigt. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Fragwürdig wird es jedoch, wenn dadurch ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Repräsentation entsteht. Es geht nicht um private Religiosität von Politikern, sondern um die Frage, wie der Staat mit seinen kulturellen Wurzeln umgeht. Viele Bürger fragen sich inzwischen, warum christliche Traditionen im öffentlichen Raum immer weniger sichtbar sind, während andere gesellschaftliche Symbole selbstverständlich gezeigt werden. Besonders irritierend wirkt dies vor dem Hintergrund aktueller Debatten: Einerseits werden zusätzliche religiöse Feiertage gefordert, andererseits wird offen über die Abschaffung christlicher Feiertage wie des Pfingstmontags diskutiert. Niemand erwartet eine Bevorzugung des Christentums. Aber viele erwarten, dass die historisch gewachsene kulturelle Identität unseres Landes nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet.

Robert Wamsler, Sachsenheim

Räume

„Du und ich und das Dazwischen “, taz vom 23. 5. 26

Ich möchte noch den gesellschaftlichen – strukturellen Aspekt ergänzen. Beziehungserfahrungen werden von Anfang an, laufend, neben dem familiären Feld in Kitas, Schule, Ausbildung, Studium, Beruf und in unterschiedlichen sozialen Lebenswelten gesammelt. Wie dem Text zu entnehmen ist, bleiben die ursprünglichen Erfahrungen, wie Distanz, Nähe, Anerkennung für Sein und Leistung in der Beziehungsgestaltung weiter wirksam. Was fehlt, sind Räume, in denen das Relationale Feld, also das Dazwischen, zwischen Ich und Du, Platz bekommt. Das wären Kitas, in denen mehr mit den Kindern wirklich und entlang der Entwicklungsaufgaben, wie bezogene Autonomie und Initiativsein, der Tag gestaltet und gelebt wird. Die aktuelle Erfahrung und Studienlage zeigt, dass innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen zu und nicht mit den Kindern gesprochen wird. Bildungsdidaktik, die auf Leistung bezogen ist, verfestigt mittels Lernerfahrung diesen leistungsbezogenen Prozess.

Anton Heim, Nürnberg

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