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meinungsstark

„Jeden Tag von Neuem …“

„Eigentlich ganz schön hier“, taz vom 15. 5. 26

Jeden Samstag stehe ich für den Verein Bergisch Gladbach für Demokratie in der Fußgängerzone. Zurzeit sammeln wir Unterschriften für ein Prüfverfahren gegen die AfD. Was die Reaktionen angeht, ist alles dabei. Von „Ich wähle die AfD, weil die XYZ-Straße zur Fahrradstraße umgewandelt wurde“ über Verschwörungsmythen wie „Donald Trump wird erpresst, deshalb lässt er die Demokratie vor die Hunde gehen“, von offenem Hass wie „Euch kriegen wir auch bald!“, aber auch zu schlichter Solidarität: „Das unterschreib ich gerne“.

Die Zustimmung ist schön, der Hass und die Schwurbeleien sind manchmal so schwer auszuhalten, dass man zur Seite treten und sich hinsetzen muss, um einen Moment lang durchzuatmen. Und dann lese ich am Frühstückstisch diesen taz-Text: „Aber es gibt hier noch etwas, das funktioniert. Sie können wählen, oder Sie können es lassen. Sie können sich unabhängig informieren. Sie können Friedrich Merz doof finden, ohne dafür verschleppt, verprügelt oder umgebracht zu werden. Sie können vor Gericht ziehen, wenn Ihnen Unrecht getan wird. Sie können sich auf in der Verfassung verankertes Recht berufen. Meistens. Noch. Unsere Demokratie ist angeschlagen, aber nicht erledigt. Damit das so bleibt oder gar besser wird, dürfen wir uns weder mit dem Status quo abfinden noch einer US-amerikanischen Idee von Modernität hinterherhecheln. Besser wäre, wir entwickelten eine eigene.“

Und spontan stellte ich mir vor, diese Sätze würden bundesweit auf einer ganzseitigen Anzeige in der Boulevardpresse erscheinen. Was wäre das für ein Fest! Ich würde mir die Seite rausreißen und aufhängen, um sie jeden Tag von Neuem zu lesen. Katharina Siebert, Bergisch Gladbach

Ein Brief aus Teheran

Ich schreibe für eine Gruppe von Studienbewerberinnen und Studienbewerbern, um ein Studentenvisum in Deutschland zu erhalten. Wir befinden uns seit dem 15. Januar auf der Warteliste von TLScontact in Teheran. Seit mehr als vier Monaten sind die Deutsche Botschaft und TLScontact in Teheran geschlossen, und wir warten weiterhin auf unsere Visa-Interviews.

Leider sind inzwischen viele unserer Unterlagen, insbesondere Sprachzertifikate, abgelaufen, und auch unsere Universitätszulassungen gehen nach und nach verloren. Einige Universitäten haben uns bereits mitgeteilt, dass sie bei weiteren Verzögerungen nicht mehr mit uns zusammenarbeiten können. Daher bitten wir dringend um publizistische Unterstützung für eine schnellstmögliche Wiederaufnahme der Visa-Interviews für Studierende. Nafiseh Faghani, Teheran

Humanitäre Hilfe abgeschmettert

„Israel fängt erneut Gaza-Hilfsflotte ab“, taz vom 18. 5. 26

Mit großer Sorge verfolge ich die aktuellen Berichte über das Vorgehen israelischer Streitkräfte gegen die „Sumud Flotilla“, ein ziviles Schiffskonvoiprojekt, das humanitäre Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen transportiert. Besonders alarmierend ist dabei die Gefährdung unbewaffneter Zivilpersonen, darunter Ärzte, Lehrer, Künstler und Ingenieure, die humanitäre Hilfe leisten wollen. Bereits am 30. April wurden 22 Boote der Flotilla in internationalen Gewässern nahe der griechischen Insel Kreta durch israelische Kriegsschiffe gestoppt. An Bord befanden sich etwa 175 Aktivist:innen. Mehrere Beteiligte berichteten dabei von massiver körperlicher Gewalt durch israelische Soldat:innen, dokumentiert mit Videos. Demnach seien Personen geschlagen, getreten, über den Boden geschleift und teils mit Gummi- oder scharfer Munition verletzt worden. Berichten zufolge mussten 34 Personen medizinisch versorgt und in Krankenhäuser auf Kreta gebracht werden.

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Millionen Menschen leiden unter Hunger, fehlender medizinischer Versorgung und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur. In einer solchen Situation dürfen zivile Hilfsmissionen nicht Ziel militärischer Gewalt werden.

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