heute in hamburg: „Frauenräume verhindern Selbstzensur“
Gesprächsrunde „Frauenorte – Orte von, für und mit Frauen!?“ mit Linda Schlüter, Gwendolyn Lloyd-Hughes, Nina Lucia Groß und Dr. Birgit Kiupel: Grindelallee 43, 19.30 Uhr, Eintritt frei
Interview Julika Kott
taz: Frau Schlüter, was sind eigentlich „Frauenräume“?
Linda Schlüter: Das sind Räume in denen Frauen sich aufhalten und sich wohlfühlen. Manche, aber längst nicht alle, sind von Frauen politisch besetzt.
Welchen Zweck erfüllen sie?
Sie bilden Freiräume: Frauen können sich frei von patriarchalen Strukturen äußern und Wünsche formulieren, ohne auf bestehende Machtverhältnisse Rücksicht nehmen zu müssen. Das betrifft nicht nur Frauenräume, auch Schüler und Schülerinnen treffen nicht die gleichen Aussagen, wenn Lehrende anwesend sind.
Inwiefern sind solche Ausschlüsse sinnvoll?
Es ist schwer, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, wenn sich Betroffene im selben Raum befinden. Die Einzelnen können sich angegriffen fühlen, obwohl sich die Kritik nicht gegen einen Einzelnen richtet, sondern gegen gesellschaftliche Strukturen. Insofern verhindern sie Selbstzensur und ermöglichen es, unterdrückende Strukturen zu überwältigen.
Reproduziert die Trennung der Geschlechter etwa nicht die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern?
Nein, solche Frauenräume existieren nur für eine kurze Zeit. Einen Raum für Diskussion zu schaffen, bedeutet nicht, dass er sich gegen andere richtet. Es geht auch nicht etwa darum, die Gesellschaft in Männer einerseits und Frauen andererseits zu spalten. Genau an diesen Orten kämpfte die zweite Frauenbewegung der 1970er-Jahre für die Abschaffung von Ungleichheiten. Die Ideen, die aus ihnen entstehen, werden außerdem im Anschluss in der Gemeinschaft diskutiert.
Foto: Linda Schlüter
Linda Schlüter, Jahrgang 1956, ist Eigentümerin des Frauenhotels Hanseatin und kulturpolitische Feministin.
Was haben Frauenräume bisher erlangt?
Sie haben die Grundlagen für Forderungen gelegt sowie Institutionen und Parteien umgewälzt. Sie stießen Veränderungen auf politischer Ebene an und ermöglichten Frauen den Zugang zu Führungspositionen. Und sie schafften Bewusstsein über die Rechte der Frau, auch wenn es noch eine Menge zu tun gibt.
Und was brauchen Frauenräume in Zukunft?
Selbstbewusste junge Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, sowie eine Gesellschaft, die ihnen Unterstützung bietet. Langfristig gesehen hoffe ich, dass sie durch die voranschreitende Gleichberechtigung überflüssig werden.
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