heute in hamburg: „Der Schwarze Block wurde schon dreimal zertreten“
Julia Melzner, 38, ist Kommunikationsdesignerin, Initiatorin des Anfachen Award und im Vorstand des Frappant e.V.
Interview Leif Gütschow
taz: Frau Melzner, Sie sind Initiatorin des Plakatwettbewerbs „Anfachen Award“. Die Gewinnermotive werden aktuell in Hamburgs öffentlichem Raum aufgehängt. Wie ist das Feedback?
Julia Melzner: Das ist total unterschiedlich. Das Plakat, auf dem ein schwarzer Block zu sehen ist, wurde schon dreimal zertreten. Eines davon wurde auch geklaut – weil es cool ist, glaube ich. An ein anderes Plakat mit Voltaire-Zitat wurde eine Rose dran gesteckt. Ich wurde beim Plakatieren auch von vielen Menschen angesprochen.
Sind Sie zufrieden mit der Resonanz?
Was auf der Straße so passiert, auf jeden Fall. Alle sprechen von den Plakaten. Menschen, die nicht täglich mit Kunst zu tun haben, bleiben davor stehen. Die Leute nehmen das total wahr. Positiv wie negativ. Es bringt Leute ins Gespräch. Und so soll es ja auch sein.
Wird es die Motive als Poster geben oder als Buchpublikation?
Erstmal nicht. Ich habe jetzt gerade das Thema für Anfachen 2018 festgelegt, dieses Mal hatten wir das Thema Toleranz. Vielleicht gibt es später einmal eine Sammelpublikation der Gewinner-Plakate. Wir haben dieses Jahr aber schon mehr als im Vorjahr gedruckt. Die Leute fragen auch an, ob sie ein Plakatmotiv haben können. Das geht gegen Spende. Wir werden jetzt aber nicht einen Plakatshop aufmachen oder so.
Gab es in der Stadt Bereiche, wo die Plakate nicht hängen durften?
Nein. Also erst mal großes Lob an das Bezirksamt Mitte. Die haben mir das einfach gemacht. Und auch die Kunsthalle. Die haben die Plakate vorher nicht gesehen, aber das Aufhängen trotzdem genehmigt.
Die Plakate sollen auch auf Reise gehen – wohin?
Ja, die sind unterwegs. Sie sind schon in Moskau, wo sie hoffentlich bald hängen werden. In Tallinn sollen sie im April sein. Derzeit bin ich mit der Türkei im Gespräch. Auch Ostdeutschland ist geplant. Die Stadt Cottbus ist auf mich zugekommen. Vielleicht hängen die Plakate bald dort.
Steht schon ein Thema für den nächsten Anfachen Award fest?
Ja, aber das werde ich noch nicht verraten! Ich habe mich auf zwei Themen eingeschossen und werde eines davon nehmen, aber das wird zunächst noch nicht veröffentlicht. Mit den möglichen Sponsoren werde ich das schon kommunizieren.
Plakatier-aktion Gewinner des Anfachen Award, 8 Uhr, Harvestehude, Sophienterassen
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