heute in Bremen: „Gravierende Folgen“
Vergiftet Öffentliche Bürgerversammlung zur Grundwasserverschmutzung in Bremen-Nord
53, ist Sprecherin des Vereins „Bürgerinitiative Tanklager Farge“, der die öffentliche Bürgerversammlung organisiert.
taz: Frau Pörtner, vom Tanklager in Farge sickern giftige Schadstoffe ins Grundwasser, nun wird die Anlage seit einiger Zeit abgebaut. Ist damit die Gefahr nicht gebannt?
Heidrun Pörtner: Nein. Das Gebiet ist nach wie vor kontaminiert und das Grundwasser verschmutzt. Es ist zum Teil mit Benzol versetzt, einem Stoff, der nachweislich krebserregend ist. Zudem machen die Schadstoffe nicht an den Grenzen des Tanklagers halt. Rund 850 Meter reicht eine Schadstofffahne, die außerhalb der Anlage das Grundwasser verunreinigt.
Seit 2010 werden Maßnahmen gegen eine Ausbreitung solcher Schadstoffe ergriffen. Haben die nicht geholfen?
Schon. Über spezielle Brunnen wurde Grundwasser gefördert: Die dabei aufgeschwemmten Giftstoffe wurden abgeschöpft. Das hat jedoch nicht den erwünschten Effekt gebracht. Der Vorgang dauert viel zu lange und konnte die Verunreinigung nicht komplett abgrenzen. Wir befürchten sogar eine Ausbreitung der Verschmutzung. Das könnte gravierende Folgen haben, da sich schon jetzt unter der Schadstofffahne bewohntes Gebiet befindet.
Darum bieten sie auch unabhängige Analysen des Brunnenwassers an?
Viele der Anwohner haben sich einen eigene Brunnen angelegt, der Wasser direkt aus dem verseuchten Grundwasser bezieht. Vor allem neu Zugezogene wissen dann nicht, ob das bei ihrem Brunnen auch so ist. Dem wollen wir vorbeugen und arbeiten dafür mit einem Labor zusammen, das fachmännisch Proben entnimmt und auswertet.
In der Grundwasserverschmutzung in Farge sehen sie auch ein Problem für die ganz Stadt. Müssen sich denn alle BremerInnen Sorgen um ihr Wasser machen?
Tatsächlich ist das Trinkwasser hier in einem vorzüglichen Zustand, nicht zuletzt, weil es aus Niedersachsen eingekauft wird. Doch darin besteht das Problem: Bremen kann seinen eigenen Wasserbedarf nicht selbst decken. Das ist teuer und führt zu Komplikationen, wenn das Bremer Umland das Grundwasser selbst benötigt. Sauberes Wasser aus Farge könnte zu einer Entspannung dieser Lage führen.
Interview Florian Schlittgen
17 Uhr, Gemeindesaal der ev.-ref. Kirchengemeinde Farge, Farger Straße 19
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