herzensort: Alternative Espressobar
Eigentlich wäre es ziemlich dumm, wegen eines Stromkastens wieder mit dem Rauchen anzufangen. Aber der Stromkasten rechts vor der taz ist nicht irgendeiner. Dabei ist er ästhetisch gesehen eher unterdurchschnittlich: ein bisschen Graffiti und ein bisschen Plakatwerbung für irgendein Mode-Upcycling-Projekt, es gibt keine Sticker von Fußballfangruppen, sozialistischen Genoss*innen oder Berliner Ravern. Nein, nicht einmal die taz hat sich verewigt (peinlich!).
Das schmälert jedoch nicht das Lebensgefühl. Mit einem Espresso Macchiato wird der Stromkasten zu unserer Espressobar. An diesem heißen Sommertag stehen wir zu fünft im Kreis, das Gequatsche der Kolleg*innen vermischt sich mit Autolärm und Vogelgezwitscher und rauscht an mir vorbei. Ich will an nichts denken. Wenn da nicht dieser jugendliche Drang nach Nikotin wäre. Eine Kippe würde jetzt das Bild vervollständigen – und ich wäre gern ein Klischee.
Ich schaue in die Luft und atme tief ein. Es geht auch irgendwie ohne. Enno Schöningh
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