herzensort: Geborgen im Traumhaus
Immer wenn mich etwas stresst, male ich mir aus, in meinem kleinen japanischen Haus zu sein. Der Boden ist voller Tatamimatten, die Teeschalen sind winzig, die Umgebung ist still. Nur der Plattenspieler spielt kaum hörbar Hiroshi Yoshimuras Album „Green“. Die Musik setzt ihre Akzente so subtil, dass sie genauso gut Geräusche der Umgebung sein könnten.
Lange blicke ich durch den hölzernen Fensterrahmen nach draußen in die großen schweren Blätter. Der Nebel der Landschaft vermischt sich mit dem Dampf, der aus meiner Teetasse emporsteigt und mir träumerisch die Sicht verklärt. Dies ist auch der Moment, in dem jener Zwischenraum entsteht, in dem ich mich gerade befinde: Mein kleines japanisches Haus, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Es existiert bloß in meiner Fantasie und ist für mich da, wenn die Welt mal wieder zu laut ist und die Kreuzberger Martinshörner heulen wie trotzige Kinder.
Wenn ich dann aus meinem Tagtraum erwache, geht es mir besser. Ich fühle mich wieder leicht und kann alldem, was auf mich einprasselt, mit neuer Zuversicht begegnen.
Florian Nass
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