herzensort: Zimmer voller Zuneigung
Ein Urlaub im Spätsommer, ein Haus auf einer Insel in der Ägäis, der letzte Tag. Noch einmal die Sonne spüren, mit all ihrer Wut. Noch einmal das Meer sehen, hören, schmecken, riechen. Noch einmal den Sand zwischen den Zähnen spüren, weil die Nektarine aus den Fingern geflutscht ist. Noch einmal das Haus bewundern, von dem unbekannten Freund der Freundin, der schon viel länger lebt als wir und der das Haus gefüllt hat mit seinem Leben.
Vier Tage durften wir hier sein, einfach so, zu neunt in fünf Zimmern. Zimmern voller Zuneigung. Jeder Gegenstand eine Geschichte, jedes Detail eine Ode an die schönen Dinge, die kleinen, die leisen. Eine Sammlung von buntem Porzellan, eine Presse für Zitronen in Form einer Zitrone. Ein Porträt von einem Hirten, groß und schwer, auf einem Esel, dünn und gebrechlich. Jedes Zimmer wie eine Kommode, jede Schublade quietscht auf ihre Art.
Draußen auf der Terrasse ein Tisch mit neun Stühlen, alle aus demselben Holz und doch gleicht keiner dem anderen, wie wir, die wir auf ihnen sitzen. Ich mache noch ein wenig sauber, ganz freiwillig. Ich will es noch ein bisschen streicheln, zum Abschied. Nora Belghaus
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