herzensort: Freiheit im Wald
Liebe Hütte, wir kennen uns erst seit ein paar Jahren, dabei gibt es dich bestimmt schon seit fünfzig Jahren. Du liegst im Oberharz, zwischen Bergen, wo sich oft der Nebel verfängt. Du dienst den Jägern, ab und zu, sie sagen Jagdhütte zu dir.
Für mich bist du das, was für andere die Laube ist. Nur dass dich kein Zaun begrenzt, du stehst frei, in einem Wald. Und Freiheit ist es auch, die du großzügig vergibst, wenn man dich bewohnt. Freiheit von Uhren, die die Zeit in Einheiten presst, von Spiegeln, die Zweifel säen, von Dingen, die klingeln oder sich zu laut, zu schnell bewegen.
Wenn man an deiner Stirnseite auf der Bank sitzt, schaut man auf einen kleinen, stillen See. Nachbarn hast du keine, nur ein paar Freunde kommen manchmal vorbei und graben mit ihren Schnauzen die Wiese um. Und wenn sich die Blätter verfärben, zieht dein Mitbewohner ein. Er rollt sich in einer Nische in der Wand zusammen und schläft, sieben Monate lang.
Du bist stille Zeugin der Gezeiten des Waldes. Und dass ich mich zu dir gesellen darf, um darüber zu staunen, ist manchmal mein größtes Glück. Nora Belghaus
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