die wahrheit: Schwabinger Krawall: Geschlossene Gesellschaft

Eine Wohnung, hat der Hubsi gesagt, sei zu einer Kneipe auf die Dauer keine Alternative. Da könne man zwar rauchen, müsse aber hinterher ...

Eine Wohnung, hat der Hubsi gesagt, sei zu einer Kneipe auf die Dauer keine Alternative. Da könne man zwar rauchen, müsse aber hinterher den Dreck wegräumen und die besoffenen Kerle selber rausschmeißen, und der Jackie solle ihm mal erklären, wie er in eine Privatbude interessante Hasen hineinbekommen wolle, die er noch gar nicht kenne. Es gebe somit nur noch eins: Clubs und geschlossene Veranstaltungen, wo man tun könne, was man wolle.

Der dicke Kerl von dem Eventmagazin hatte gleich einen phänomenalen Tipp: ein regelmäßiges Treffen diverser Bosse, wo die so richtig die Kuh fliegen lassen, wo er selbst aber nach der letzten Insolvenz erst mal nicht mehr hingehen wolle, um keine schlafenden Hunde zu wecken.

Am Samstag sind der Jackie und der Hubsi zu der Bar marschiert, wo man sie erst nicht einlassen wollte, obwohl der Hubsi behauptet hat, sie seien die Junior-Executive-Chiefs der Firma Rabbit Chase Inc. Dann ist ihm aufgefallen, dass es sich bei dem Türsteher um den Nasen-Helli handelt, der ihm von 1998 noch 2.000 Mark schuldet. Drinnen hat der Hubsi zwei Caipi bestellt und auf den Türsteher schreiben lassen, und der Jackie hat einen Hasen kennengelernt, der sich als Pink Lady vorgestellt und eine so rauchige Stimme gehabt hat, dass sich der Jackie zum dritten Caipi eine Zigarre bestellt und sie ebenfalls auf den Nasen-Helli schreiben hat lassen. Nach dem fünften Caipi hat er die Pink Lady so sagenhaft gefunden, dass ihm heiß geworden ist, auch weil inzwischen um ihn herum eine Mordsknutscherei im Gang war und in einigen Ecken Sachen stattgefunden haben, die der Jackie nicht mehr genau erkennen hat können.

Wie der Jackie aufs Klo wollte, ist die Pink Lady mitgegangen, und im Klo ist der Jackie über den Hubsi drübergestolpert, der mit einem Hasen am Boden lag und was gemacht hat, was der Jackie nicht mehr genau erkennen hat können. Der Hubsi hat gelacht und aber mit dem Lachen gleich wieder aufgehört und gefragt, ob der Jackie noch recht bei Trost ist. Und da hat der Jackie bemerkt, dass die Pink Lady nicht mehr so jung ausschaut und auch kein echter Hase war, sondern ein Kerl. Er wolle nichts mit Transvestiten zu tun haben, hat er gebrüllt, mit schwulen Transvestiten schon gar nicht. Die Pink Lady hat gebrüllt, das sei immer noch seine Veranstaltung und er Geschäftsführer einer großen Zeitung und ein bedeutender Mann und der Jackie höchstens irgend so ein Wurm und morgen früh nicht mal mehr das, sondern erledigt, wenn er sich nicht auf der Stelle verpisse, in diesem Fall aber wahrscheinlich auch.

Nach dem dritten Bier in der Sieben hat der Jackie gemeint, er habe irgendwie keine Lust mehr auf Kneipen und Hasen, und ob es sein könne, dass er erwachsen werde oder krank, und der Hubsi hat gesagt, er sei höchstens ein Depp und brauche eine Brille, um einen Hasen von einem Tuntenboss unterscheiden zu können. Und dann haben beide gelacht und sich eine Zigarette angezündet und dem BWL-Esoteriker, der sie auf das Rauchverbot aufmerksam gemacht hat, gesagt, das sei immer noch ihre Veranstaltung und sie seien immer noch gute Bekannte einer Zeitungsgeschäftsführerin und bedeutende Männer und er höchstens irgend so ein Wurm.

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