die wahrheit: Unterschiede unterscheiden
Weltmanns Ansichten: Trennkost und Partnerschaft, Uhrentasche und Quarkbrötchen, Dusche und Gespräch: Die Welt ist voller Unterschiede. ...
... Es gibt Wortfindungsschwierigkeiten bei Schneebällen und das Hörverstehen von Frischbeton. Fenster können gut singen, Klapptüren besser vorlesen. Einbauschränke heißen oft Ulrike, tragen aber selten einen Pferdeschwanz. Ich denke, man merkt, worauf ich hinauswill.
Aristoteles nennt in seinen Schriften zu "Dingen, die auch geordnet unübersichtlich sind", sieben grundlegende Unterschiede: Barauszahlung und Haarausfall, belegtes Brötchen und befristete Stelle, schlafende Tischdecke und gefaltete Hauttasche, Nachttischlampe und Nacktberater, Stute und Tröte, widerspenstiger Käse und kooperatives Duschgel, Realität und Quersumme. Sie gelten bis heute als die Grundlage aller Unterschiedsforschung.
Unterschiede unterscheiden sich in kleiner Unterschied, großer Unterschied und gar kein Unterschied. Zu den kleinen Unterschieden gehören genau und fast, Mönch und Möbel, Balz und Beate, Hinz und Kunz, abwarten und Tee trinken, Brautkleid und Blaukraut sowie Tand und Gebild von Menschenhand.
Große Unterschiede sind dagegen Diskursethik und Tierdokus, die Brüder Karamasov und die Flippers, wenn sich Sprache auflöst im April. Oft genannt werden zudem identitätsbehauptende Stuhlbeine und multiple Persönlichkeiten von Sofadecken sowie synchrones Ohrstechen bei Nachtschwestern und kreative Unterwäsche für Blasenschwache. Backbord und Steuerbord sind ein Irrtum. Die Zeit ist laut Karl Popper eine Mülltonne: Als wir noch dümmer waren, standen wir uns näher.
Auch in Flora und Fauna finden sich verblüffende Unterschiede: das Summen der Birken, das Denken mit Antilopen, einem Pferd in seinen Mantel helfen, auf einen Schwan warten, einen Fisch als Türstopper benutzen oder ein Eichhörnchen, das versucht einen Wald darzustellen. "Der frühe Fisch fängt den Wurm" heißt es, aber auch "Ich habe keine Hoffnung für den Tod, aber ich kenne die Sehnsucht nach Leben." (Aus Lessing: Gespräch zwischen Eintagsfliege und Nachteule).
Kein Unterschied ist kein Unterschied, sondern oft ein Gegensatz. Dies gilt besonders für Sätze wie "Als ich mich an sie lehnte, spürte ich ihre warme, weiche Brust" und "Es war nicht ihre Brust, es war eine Falte in ihrem Wollkleid" sowie für "Lets spend the night together" und "Ich kann mir mich in einer sexuellen Handlung nicht mehr vorstellen". Oder wie Bismarck es in seinen Liebesbriefen an Moltke formulierte: "Eben erklang noch das Liebeslied der Tataren, jetzt ertönt die durch den Ruin einer Leidenschaft berechtigte Klage ihrer Pferde."
Unterschiede unterscheiden sich unterschiedlich. Das ist immer gleich. Ein Unterschied ist ein Unterschied ist ein Unterschied. Es gibt keine Dinge, die keinen Unterschied machen, weil man sie sonst nicht bemerken würde. Wir können sie nicht erkennen, wissen aber, wie sie aussehen. Insgesamt passiert längst nicht so viel, wie immer berichtet wird.
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