piwik no script img

die stimme der kritikBetr.: Das Kommunistische Manifest

MARX HAT DOCH RECHT GEHABT

Jetzt kommt er also doch: der Sozialismus. Marx hat Recht gehabt. Wenn jetzt die Dresdner mit der Deutschen Bank fusioniert, dann sind wir einen Schritt weiter bei der Abschaffung der Marktwirtschaft. Breuer sollte zum Ehrenvorsitzenden der letzten kommunistischen Parteien ernannt werden. Natürlich, nach dem ersten Scheitern des Marxismus muss man geschickt vorgehen. Die Planwirtschaft wird von Breuer, Gates und Co. nicht durch einen revolutionären Akt eingeführt, sondern Schritt für Schritt. Nicht groß von Sozialismus reden, die Revolution einfach unauffällig machen – darauf kommt es an.

Viel muss von Markt und Demokratie geschwätzt werden – nur keinen Ärger mit dem Verfassungsschutz. Es macht sich gut, als „neoliberal“ beschimpft zu werden, wenn man gerade die liberale Gesellschaftsordnung beseitigt. Bankfilialen mit dem Charme einer Finanzbehörde, Vorstandsvorsitzende wie Staatsmänner – der verschämte Staatssozialismus, der schon immer die deutschen Großbanken prägte, bekommt mit der Megafusion endlich seinen ökonomischen Unterbau. Doch nicht nur Sozialismus in einem Land, es lebe die Weltrevolution! Als Nächstes wird sich die Deutsche Bank mit der UBS (Zürich) und BNP (Paris) zusammenschließen, dann kommt die internationale Solidarität mit Citigroup und der Bank of Tokyo. Wenn die revolutionäre Avantgarde schließlich alle Großbanken zu einer einzigen Globalbank fusioniert hat, wenn die freien Finanzmärkte, das Herz des Kapitalismus, abgeschafft sind – dann fällt der Rest wie Dominosteine.

Schon jetzt jubiliert die Börse. Wie hoch wird der Dow Jones springen, wenn erst einmal die Internationale aller Bankkonzerne sich mit dem einzigen übrig gebliebenen universalen Automobil-, Chemie-, Biotechnik-, Computer-, Medienkonzern zum globalen Monopol vereinigt? Was für großartige Synergien! Wir werden den höchsten Börsenstand der Geschichte erreichen – am Tag vor der Abschaffung der Börsen – kurz vor dem Idealzustand des Kommunistischen Manifests. WALTER OSWALT

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen