die neue tazze ist da: Zwischen Geld und Geschlechtern
Den Comic halte ich für taz-Leser unter Niveau“, schreibt uns die taz-Genossin Sigrid Plöger zur männertaz. Genosse Tankred Stöbe dahingegen lobte den Comic: „Lange habe ich nicht mehr so gelacht!“ Im Juni hatten wir Genoss*innen gefragt, uns Kritiken zur letzten Ausgabe der feministaz oder männertaz zu verfassen – für die kommende tazze. Die tazze ist das Mitgliedermagazin der Genossenschaft für Genoss*innen und alle Interessierten. Jetzt ist die Sommerausgabe erschienen.
Da tazze-Sommerausgaben auch über Geschäftszahlen der taz informieren, haben wir uns entschieden, aus der Pflicht einen Themenschwerpunkt für dieses Heft zu machen: Geld. So berichten etwa Chefredakteurin Barbara Junge und Geschäftsführer Andreas Marggraf, was die taz mit Geld nach dem Ende des täglichen Drucks macht. Der langjährige ehemalige taz-Aufsichtsrat Hermann-Josef Tenhagen beantwortet, ob man ökologisch in ETFs investieren kann, und Ulrike Hermann und Pauline Jäckels streiten, ob sich Deutschland mehr Aufrüstung leisten sollte.
Nun folgt ein erster Eindruck zur tazze, eine Sneakpreview. „Previews können gefährlich sein. Man braucht ein Herz aus Stahl, um zu einer Preview zu gehen“, warnte 1969 noch der oscarnominierte Filmproduzent Ross Hunter über Film Previews. So gefährlich ist die Preview wahrlich nicht, aber lesen Sie selbst, wie neben Plöger und Stöbe der Genosse Lochmann die männertaz beurteilt.
Felix Bouché
„Hier können Männer ihre Rolle reflektieren“
Matthias Kalles Text „Über Männer“ (S. 19) ist eines meiner Highlights und Begründung für die Notwendigkeit einer männertaz. In der Ausgabe vom 9. Mai beschreibt er sehr gut nachvollziehbar, was seine Intention war, einen Text zu liefern, der dann, halbwegs paradox, nicht erscheint. Aber seine Abwägungen kenne ich gut: dass er doch kein typischer Macho ist oder sein will und ihm vielleicht deshalb doch eine Art Absolution erteilt wird von „den Frauen“. Es verweist auf die Schwierigkeiten, Mannsein zu definieren. Dieser Text, die Briefe an den Vater und die Antworten der 14 Fotograf:innen waren für mich die Highlights der männertaz. Die Texte gefielen mir, weil sie meinen Versuch gut beschreiben, Anerkennung für meine, wie ich fand, reflektierte Männerrolle zu geben. Nicht oder weniger gut war für mich kein Text. Die gesamte Aufbereitung und das Layout der Ausgabe waren gelungen, ebenfalls die Fotos und die Dramaturgie.
Ich plädiere für eine Fortsetzung der männertaz, weil die taz als linkes Genossenschaftsprojekt mit ihr einen Ort geben kann, wo Männer ihre Rolle reflektieren können. Mein Vater war Arbeiter. Bei seiner 6-Tage-Woche und dem anschließenden Feierabendbier habe ich ihn selten gesehen. Das wollte ich als Vater anders machen. Ich wollte präsent und greifbar sein, Erziehung, Erwerbsarbeit und Hausarbeit teilen. Als Führungskraft musste ich das ohne Elternzeit und „Papamonate“ durchsetzen, bei Vorgesetzten, die als Männer das traditionelle Männerbild des Ernährers lebten.
Ich hatte in meinem Leben viele Erfahrungen, wo ich gerne darüber geredet hätte – und nicht nur mal in der Dusche mit den anderen Männern nach dem Fußballspielen. Zum Beispiel über das übergriffige Verhalten auf einer Liege im Krankenhaus, bei dem zwei männliche Pfleger mich im Genitalbereich absichtlich und schmerzhaft berührten.
Ich entließ mich dann selbst, um zu Hause zu sein, um mit meiner Frau zu reden. Allerdings fehlte mir der Mut und ich hätte mir damals eine breitere Öffentlichkeit gewünscht, wo solche Erfahrungen geschildert, kommentiert und diskutiert werden können. Mit der männertaz wird das vielleicht möglich und ein zusätzliches Forum geschaffen, ergänzend zu Männer- und Selbsterfahrungsgruppen. Walter Lochmann
Die neue tazze jetzt kostenlos downloaden: taz.de/geno
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