die neue edition von LMd: Unterwegs nach Südamerika
Was tut man, wenn man sich auf einem Interkontinentalflug genug Zeit vertrieben hat mit neuen, aber nicht allerneusten Hollywood-Produktionen und man sich ein bisschen in der echten Welt orientieren möchte? Mit dem Handy im Flugmodus bleibt einem nur, die Flugroute zu verfolgen – auf demselben Bildschirm, auf dem eben noch Cillian Murphy als Robert Oppenheimer Gewissensbisse plagten angesichts der atomaren Verwüstung Hiroshimas und Nagasakis.
Mein Ziel war Anfang Januar die kolumbianische Hauptstadt Bogotá, um die Familie meiner Freundin zu besuchen. Vier Tage zuvor hatten die USA das Nachbarland Venezuela überfallen und Präsident Nicolás Maduro nach New York entführt. Zwei Tage zuvor hatten wir in der LMd-Redaktion noch fieberhaft Texte aktualisiert, weil die Ereignisse mal wieder unsere monatliche Zeitungsproduktion überrollt hatten.
Imperialmacht USA
Obendrein hatten wir noch überlegen müssen, wie wir der neuen Situation in der Karibik in unserem Editionsheft zu Südamerika Rechnung tragen, für das der Drucktermin ebenfalls in schnellen Schritten näherrückte.
Nun saß ich also im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub und konnte mich noch erinnern, im Jahr zuvor auf derselben Route die Lichter des nächtlichen Caracas aus dem Fenster gesehen zu haben. Auch jetzt folgte die blaue Linie, die die Flugroute anzeigte, der Orthodrome, der kürzesten Verbindung – einmal quer über Venezuela hinweg. Doch je näher wir dem Festland kamen, desto stärker drehte das Flugzeug nach Westen ab, um erst über der kolumbianischen Halbinsel La Guajira über Land zu fliegen. Aus dem Cockpit blieb das alles ohne Kommentar. Eine im Stillen vollzogene Anpassung an die neue Realität, in der die USA – unverhohlener denn je – als Imperialmacht bei ihren südlichen Nachbarn Fakten schaffen.
In Berlin arbeiteten meine Kolleg:innen unterdessen ebenfalls weiter an dieser „Anpassung an die Realität“ und akquirierten in letzter Minute neue Texte für unser kommendes Editionsheft.
Das Ergebnis können Sie demnächst in der LMd-Edition N° 39 „Südamerika. Koloniale Narben, radikale Gegenwart“ entdecken – inklusive Karten und Infografiken von Adolf Buitenhuis und Beiträgen unter anderem von Ezequiel Adamovsky, Hélène Ferrarini, Manfred Kriener und Gabriela Wiener. Anna Lerch
LMd-Edition N° 39:
Ab 24. März im Handel, 96 Seiten, 11 Euro
Bestellen Sie hier: monde-diplomatique.de/edition39
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